Erinnerung an Jonas Bleiberg

Beiträge der Jugendgruppe der SJD Die Falken Brackel auf dem Internationalen Friedhof


Erinnerung an Jonas Bleiberg aus Dortmund

Jonas Bleiberg, geboren in Polen im Jahre 1902, kam Anfang der 1930er Jahre nach Dortmund und wohnte dort zwischen Heiligegartenstraße und Leopoldstraße.

1938 wurden viele jüdische Polen in einem Transport an die deutsch-polnische Grenze gefahren. Leider wollten die Polen ihre Landsleute auch nicht haben, so dass Jonas einige Zeit im Niemandsland lebte. Jonas Bleiberg schlug sich aber wieder nach Dortmund durch. Wann er genau wieder in Dortmund war, können wir zur Zeit noch nicht sagen.

Jonas war Mitglied einer verbotenen Organisation, einer kommunistischen Organisation. Dies ist nur aufgefallen, weil er bei einer Hauskassierung beobachtet und anschließend denunziert wurde. Im doppelten Deckel seiner Taschenuhr wurden entsprechende Mitgliedsmarken gefunden.

Danach wurde Jonas Bleiberg von Dortmund zunächst in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Anschließend war er noch in Buchenwald, wo er nach offiziellen Angaben am 16. März 1942 starb. Ob Jonas Bleiberg eines natürlichen Todes gestorben ist oder ob er ermordet wurde, ist noch nicht abschließend geklärt. Diesbezüglich werden wir in nächster Zeit mit dem Archiv in Buchenwald Kontakt aufnehmen.

Ob Jonas Bleiberg in Buchenwald oder woanders verbrannt wurde, ist auch noch nicht ganz klar. Wahrscheinlich aber in Weimar, da es im Jahre 1942 noch kein eigenes Krematorium im Lager Buchenwald gab. Die Urne mit Jonas Bleiberg wurde dann nach Dortmund überstellt, so dass er am 12. Juni 1942 beigesetzt werden konnte. Laut Angaben der Friedhofsverwaltung Dortmund wurde die Urne im September 1962 noch einmal umgesetzt, auf das Feld, wo sie sich heute noch befindet.

Wir, die Teens-Gruppe der Falken Brackel, sind durch einen Mitarbeiter des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund auf Jonas Bleiberg aufmerksam gemacht worden. Er traf sich mit uns und erzählte uns einiges über Jonas Bleiberg und eine noch lebende Verwandte in Amsterdam. Mittlerweile haben wir ihr Fotos gemailt: Wie wir die Grabanlage vorgefunden haben und wie sie jetzt aussieht, nachdem wir sie mit ihrer Zustimmung gereinigt haben. Wir werden versuchen, viele Fragen, die wir haben, mit ihr zu erörtern, und wünschen uns, sie vielleicht einmal in Amsterdam besuchen zu können.


Das Ärgernis
von Erich Fried

Wendet euch nicht ab,
sondern schaut,
Ihr braven Bürger,
den jungen Neonazis,
die in eurer Stadt von neuem den Glauben
an den alten Irrsinn gelernt haben,
tief in die Augen.
Ihr schaut nicht genau genug hin,
wenn Ihr in diesen blauen oder braunen oder auch grauen Augen
nicht einen Augenblick lang euer eigenes Spiegelbild seht!


Als sie die Anderen holten
nach Martin Niemöller, evangelischer Theologe (1892-1944);
moderne Fassung der Droste-Hülshoff-Realschule aus dem Jahr 2009

Niemöller schrieb:

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.“

Als die Neonazis in der Straßenbahn Ausländer anpöbelten, habe ich weggeschaut; ich war ja kein Ausländer.

„Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.“

Als die Neonazis Behinderten den Eintritt in die Disco verweigerten, habe ich nicht protestiert; ich war ja nicht behindert.

„Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war je kein Gewerkschafter.“

Als die Neonazis jüdische Mahnmale schändeten, habe ich mich nicht eingemischt; ich war ja kein Jude.

„Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Als wir zu der Gedenkveranstaltung auf dem Ehrenfriedhof eingeladen wurden, haben wir spontan zugesagt, denn wir müssen gemeinsam, Jung und Alt, gegen Rechtsextremismus und Neonazis sein.