Virtueller Mahngang auf dem Internationalen Friedhof, Dortmund, zum Karfreitag 2020

Da das Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in diesem Jahr nicht stattfinden kann, laden wir zu einem virtuellen Mahngang ein. Darüber hinaus haben die Botschafter*innen der Erinnerung zum Gedenken in der Bittermark ein virtuelles Gedenken geplant (s. Hinweis unten – Karfreitag, 10. April 2020, 15:00 Uhr).

Eingang zum Internationalen Friedhof, Dortmund

Auftakt zur Gedenkveranstaltung 2018

Internationaler Friedhof, ein Beitrag von Willi Hoffmeister: Jährlich beginnt der Ostermarsch Rhein Ruhr für die Dortmunder Friedensfreundinnen und -freunde am Karfreitag mit der Teilnahme an der Mahn- und Gedenkveranstaltung auf dem Internationalen Friedhof und nachmittags mit einem Mahngang zum Bittermark Gedenken. In diesem Jahr fallen alle Veranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer.

Im vergangenen Jahr habe ich auf dem Internationalen Friedhof in Dortmund eine kurze Ansprache vor dem serbischen Mahnmal gehalten. Alle Jahre gedenken wir der Menschen verschiedenster Nationen, die hier fern ihrer Heimat ihre letzte Ruhestätte fanden. Ob als Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter oder sonst wie Verschleppte. Sie alle sind Opfer des faschistischen Deutschen Reiches. Viele wurden noch in den letzten Stunden des Bestehens der Nazi-Diktatur bestialisch ermordet.

Serbisches Denkmal auf dem Internationalen Friedhof

Unter den hier Bestatteten befinden sich neben den Zwangsarbeitern tausende sowjetische Kriegsgefangene. Sie opferten ihr meist sehr junges Leben dafür, dass der Hitler Faschismus besiegt und unser Land vom Faschismus befreit wurde. Die Sowjetunion hatte die größte Last des zweiten Weltkrieges zu tragen mit der höchsten Opferzahl. Was würden diese Opfer sagen, wenn sie jetzt sehen müssten, dass Deutsche Panzer wieder an ihrer Westgrenze stehen und die Kanonenrohre auf ihre Heimat gerichtet sind? Das habe ich im Jahre 2019 gefragt. 2020, ein Jahr später, müssen wir feststellen, dass die im Kriegsbündnis vereinten Nato-Staaten das größte Manöver nach dem kalten Krieg an der russischen Grenze durchführen wollten. Die Kriegsmaschinerie würde längst rollen, wenn, ja wenn, das Corona Virus sie nicht gestoppt hätte! Es ist ein trauriges Kapitel, daß Deutschland von dieser Manövergemeinschaft als Drehscheibe auserkoren wurde und die Regierung ohne jeden Skrupel dabei ist.

„Von deutschen Boden soll Frieden ausgehen“, so steht es im Grundgesetz! Will Deutschland seiner geschichtlichen Verantwortung gerecht werden, heißt das an erster Stelle: Frieden mit Russland! Auch ohne Ostermärsche 2020 wird die Friedensbewegung das Grundgesetz ernst nehmen.

Willi Hofmeister, Norbert Schilff

 

Rede von Dmitriy Kostovarov anlässlich der Gedenkfeier Karfreitag 2019 auf dem Internationalen Friedhof

Liebe Freundinnen und liebe Freunde, meine Damen und Herren,

jedes einzelne Grab, auf jedem kleinen oder großen Friedhof, in jedem Land ist die Ruhestätte eines Menschen. Bis zum Augenblick seines Sterbens hat er sein Leben, sein eigenes Schicksal, seine Familie und Verwandten. Er hat Gefühle, Pläne und Hoffnungen. Es ist absolut unwichtig aus welchem Land er kommt, ob er freiwillig an einem Ort lebt oder verschleppt wurde. Auch dieser Friedhof ist für viele Menschen die letzte Ruhestätte. Diese Menschen hatten ein Recht zu leben, aber ihr Leben wurde durch den Krieg beendet. Wie viele Menschen hier beerdigt wurden, wissen wir bis heute nicht. Jahr für Jahr kommen neue Dokumente und Erkenntnisse ans Licht. Diese Dokumente bringen neue Zahl von Verstorbenen. Dieses Dokument zeigen uns einzelne Schicksale.

Sowjetisches Denkmal

Wer waren diese Menschen, die hier begraben sind? Kriegsgefangene und Zivilarbeiter*innen aus Sowjetunion ….. Männer, Frauen, Kinder. In ihrer Heimat waren sie Arbeiter und Arbeiterinnen, Studentinnen und Studenten, Bäuerinnen und Bauern, Ingenieure oder Lehrerinnen. Sie waren Söhne und Töchter, Väter und Mütter, sie hatten Familien.

Sie wurden Opfer eines schrecklichen Krieges. Sie wurden Opfer der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Nazis verübt haben. Sie mussten als billige Arbeitskraft für Hitler´s Rüstungsindustrie schuften, in der Landwirtschaft und in kleinen Betrieben und hier in Dortmund zu tausenden auf den Zechen und in den Stahlwerken. Sie hatten keine Rechte und mussten bis zur völligen Erschöpfung arbeiten. Wenn sie ihre Kraft und ihre Gesundheit verloren hatten, wenn sie krank wurden, dann schickten ihre Arbeitgeber sie zum Sterben in die Lager zurück. Sie erhielten fast keine Medikamente und kaum medizinische Versorgung. Wenn sie starben, wurden sie ohne Namen auf diesem Friedhof begraben.

Gräberfelder sowjetischer Kriegsopfer

Doch die Erinnerung an jeden Einzelnen bleibt. Noch heute erinnern sich die Familienangehörige der Verstorbenen an sie. Ihre Familienangehörigen wollen etwas über das Schicksal der Verstorbenen erfahren. Ihre Familienangehörigen wollen wissen wo das Grab ist, wie das Grab aussieht und in welchem Zustand es ist. Die Familienangehörigen wollen wissen welches Andenken man heute in Deutschland pflegt, an die verstorbenen Kriegsgefangenen und Zivilarbeiter*innen, die Opfer der Nazis wurden, wer sich heute an sie erinnert. Die Angehörigen wollen aber auch nach ihren eigenen Vorstellungen an den Gräbern trauern und die Grabstätten nach ihren Traditionen herrichten. Dazu gehören die Weihe der Gräber nach den Traditionen der orthodoxen Kirchen, die leisen Gebete der Muslime und die Einsegnung der Gräber nach katholischer und protestantischer Tradition. Die Angehörigen möchten eine persönliche Erinnerung, ein Foto des Verstorbenen, auf den Gräbern zurücklassen. Sie möchten, dass die Namen der Verstorbenen auf einem Kreuz, einem Obelisken oder einer Stele eingetragen sind.

Kränze am sowjetischen Denkmal

Die meisten Verstorbenen aus der Sowjetunion wurden hier anonym begraben, nicht einmal die Verwaltung der Stadt Dortmund kennt bis heute alle Namen. Die Verstorbenen sind Opfer der Nazis. Nach dem Willen der Nazis sollte jede Erinnerung an die Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion, die zu Tode gequält wurden, ausgelöscht werden. Nichts, nicht einmal ein Grab, sollte an sie erinnern. Für die Angehörigen bleiben die Menschen, die hier begraben sind, in ihren Gedanken und in ihrer Erinnerung. Die Namen der Verstorbenen auf einem Denkmal, hier auf dem Friedhof, wäre für die Angehörigen und auch für uns alle ein Symbol der Erinnerung.

Dmitriy Kostovarov bei seiner Rede

Gedenken an sowjetische Kriegsopfer am Gräberfeld

 

Auszug aus der Ansprache von Georg Deventer bei der Gedenkveranstaltung auf dem internationalen Friedhof – Karfreitag 2018

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

im Namen des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache/ Internationales Rombergpark-Komitee darf ich Sie und euch herzlich begrüßen.

Die Toten sind unter uns. Wir, die leben und sehen, stehen an ihren Gräbern.

Wir stehen an einem Ort, der für Tausende von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Polen und dem ehemaligen Jugoslawien zur Grabstätte wurde.

Polnisches Denkmal

Wir stehen auch an einem Ort, der für jüdische Mitbürger, die Opfer ihres Glaubens wurden, letzte Ruhestätte wurde.

Jüdisches Denkmal

Wir stehen an ihren Gräbern und betrauern diese Meere von Augen, zu Stein erschrocken, ihre Leiber geschändet und um ihr Leben gebracht.

Den Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, denen wir heute gedenken, waren aus ihrer Heimat verschleppt, hier in Dortmund zur Arbeit gezwungen und durch seelenlose Täter eines verbrecherischen Systems zu Tode geschunden.

Das Totenbuch dieser Stätte inmitten unserer Stadt hat 5.986 Namen.

Walter Liggesmeyer, Dortmund Maler und Schriftsteller, hat in einem Gedicht nach seinem besuch des Vernichtungslagers Auschwitz zum Ausdruck gebracht:

„In allen Zeiten

Mag man

Ihren Namen auch vergessen

Diese Asche bleibt –

Granit und schwarz“

Unermesslich: jedes einzelne Leid

Unbegreiflich: so viele Opfer des Naziregimes und des verheerenden Krieges.

Statistiken geben darüber keine Auskunft. Den oberflächlichen Menschen verhelfen sie eher, erduldetes Leiden aus dem Gedächtnis zu löschen.

Wir müssen begreifen: jeder Einzelne, an dessen Grab wir heute stehen, kam auf die Welt, um zu leben und zu lernen, aufzuwachsen und zu reifen, um zu lieben und geliebt zu werden, zu träumen und zu fühlen. Jeder Einzelne mit dem Recht auf Menschenwürde und Achtung.

Wir betrauern und beweinen die Opfer dieser menschenverachtenden und sinnlosen Gewalttaten, für die es absolut keine Rechtfertigung gibt. Wir müssen das Unrecht bekämpfen, wir müssen das Miteinander lernen, wir müssen Erinnern, wir müssen warnen und wir müssen handeln:

Denn inmitten unserer Gesellschaft sind Ausländerfeindlichkeit, Gewalt gegen Andersdenkende, Übergriffe gegen Schwache und Benachteiligte, sind offenen gezeigter Rassismus, Antisemitismus und offen gezeigtes braunes Gedankengut kein Randproblem mehr.

Auf der Straße, bei Versammlungen, in der Musikszene, im Internet, in den Medien werden unverhohlen heuchlerische und fremdenfeindliche Parolen und rechtsextremes Gedankengut propagiert.

Das darf nicht zugelassen werden. Rechtsextremismus und Rassismus dürfen durch Gleichgültigkeit, stillschweigende Billigung und tatenloses Wegsehen nicht genährt werden.

Wir brauchen konsequente polizeiliche Reaktionen und wirkungsvolle strafrechtliche Konsequenzen für rechte Gewalt- und Straftäter und Volksverhetzer.

Wir brauchen ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. In Dortmund gibt es eine Vielzahl hoffnungsvoller Ansätze. In einigen demokratischen Bündnissen haben sich viele Organisationen, Vereine, Verbände, Parteien, Kirchen und gesellschaftliche Gruppen zusammengeschlossen, um nicht tatenlos zuzusehen.

In Schulen, Jugendverbänden und Freizeitstätten werden nachhaltig Initiativen und Aktionen geplant und durchgeführt, Netzwerke geschaffen. Insbesondere die „Botschafter der Erinnerung“ sind hoffnungsvolle Zukunftsaussichten. Besonders freut uns die steigende Zahl der jungen Besuchergruppen der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.

Projekt Tontafel der Europaschule, Dortmund – kein Schicksal der dort bis dato namenlos verscharrten sowjetischen Kriegsgefangenen soll verloren gehen

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

Erinnerungsarbeit dient der Zukunft. Deshalb sind Veranstaltungen für historisches Erinnern – wie die Dortmunder Karfreitage hier und heute Nachmittag in der Bittermark, aber auch in diesen Tagen in Huckarde, Lünen oder Lippstadt, notwendig, weil sie mahnen und die Erinnerung wachhalten.

Verfolgung und Unterdrückung und eine perverse Perfektion organisierter Vernichtung von Menschen darf niemals mehr vom deutschen Boden ausgehen.

Wir gedenken aller Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft:

Jüdische Mitbürger, Widerstandskämpfer und Antifaschisten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Sinti und Roma, Homosexuelle, verfolgte Christen und Zeugen Jehovas, verfolgte und getötete Menschen mit Behinderung und Kranke.

Ich möchte Bert Brecht zitieren:

„Findet das immerfort Vorkommende nicht natürlich;

denn nichts werde natürlich genannt,

in dieser Zeit blutiger Verwirrung,

verordneter Unordnung,

planmässiger Willkür,

entmenschter Menschheit,

damit nichts unverändert gelte“

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

wir ehren heute die Opfer, an deren Gräber wir stehen.

Lassen Sie uns in Stille gedenken. Die Toten sind unter uns.

Mahngang 2018

Willi Hofmeister, Georg Deventer

 

Gedenken am sowjetischen Denkmal 2018

Virtuelles Gedenken der Botschafter*innen der Erinnerung zum Karfreitag 2020

Den Opfern der Karfreitagsmorde ein Gesicht geben

Botschafter*innen der Erinnerung organisieren virtuelles Gedenken im Internet

Karfreitag 10. April 2020, 15:00 Uhr

Zu sehen unter:
https://de-de.facebook.com/BotschafterInnenDerErinnerung/
https://www.youtube.com/channel/UCiyFV4jf7gSAgmQFnaONgqw

Seit 2012 sind die Botschafter*innen der Erinnerung jedes Jahr am Karfreitag in der Dortmunder Bittermark aktiv. Mit ihrem Weg der Erinnerung und ihren eindrucksvollen Beiträgen bereichern sie das Gedenken an die Opfer der Karfreitagsmorde in Rombergpark und Bittermark. „Den Opfern ein Gesicht geben“ ist Leitmotiv ihres Engagements. Immer wieder erproben sie neue Formen des Gedenkens. Sei es das gemeinsame Erinnern mit französischen Jugendlichen oder die Kooperation mit Künstler*innen in Form von Tanz, Lyrik und Musik.

Auch im Jahr 2020 werden die engagierten Jugendlichen, der über 200 Opfer der Karfreitagsmorde gedenken. Geschehen wird dies im Internet. Seit dem 19. März erinnert ihr virtueller Weg der Erinnerung an ausgewählte Opfer der Karfreitagsmorde. Zu sehen ist er bei Facebook und Instagram. Jeden Tag wird ein Mensch mit Foto oder Video und erläuternden Texten vorgestellt. Damit geben sich die Botschafter*innen der Erinnerung aber nicht zufrieden. Deshalb erarbeiten sie gemeinsam eine virtuelle Gedenkveranstaltung. Einzelvideos werden von den Jugendlichen zu Hause oder im Rahmen gemeinsamer Videochats erstellt. In ihren Beiträgen stellen sie ausgewählte Biographien vor, berichten über ihre persönliche Motivation und verlesen die bekannten Namen der Opfer. Ergänzend wird ein Beitrag von Ar.kod.M e.V. besonders auf die sowjetischen Opfer eingehen. Ihre Namen sind bis heute oft nicht offiziell bestätigt. Ar.kod.M e.V. widmet sich dem Gedenken an die sowjetischen Opfer und will Licht in das Dunkel von Opferzahlen und Namen bringen.

Künstlerische Beiträge des Lyrikers Thorsten Trelenberg, des Liedermachers Boris Gott und des Pianisten Marcel Ritter von The Plings ergänzen das Programm. Auch sie erstellen exklusive Beiträge für die Gedenkveranstaltung. Mit einer Videobotschaft beteiligt sich auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Er begleitet die Botschafter*innen der Erinnerung seit ihren Anfängen bei einer gemeinsamen Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz. Besonders freuen sich die Jugendlichen aber über die Beteiligung aus Frankreich. Madame Nicole Godard, Vorsitzende des Verbandes der Zwangs- und Arbeitsdeportierten, wird mit einer Videobotschaft beteiligt sein.

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Arbeitsstelle Zukunft braucht Erinnerung

Buchpräsentation: Mörderisches Finale – NS-Verbrechen bei Kriegsende 1945

Das von unserem Förderverein und der VVN-BdA gemeinsam herausgegebene Buch

Mörderisches Finale – NS-Verbrechen bei Kriegsende 1945

von Ulrich Sander
282 Seiten
2020 | 2., erweiterte Auflage
Papyrossa Verlag
978-3-89438-734-1 (ISBN)
16,90 Euro
ist nun lieferbar.
Für den Bezug des Buches wenden Sie sich bitte an: ulli@sander-do.de

 

Über dieses Buch:

Kurz vor der Befreiung wurden im Frühjahr 1945 tausende Nazigegner und freigelassene Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter »ausgeschaltet«. Das geschah im Rombergpark und in der Bittermark bei Dortmund, aber auch in vielen anderen Orten. Gegen deutsche und ausländische Antifaschisten wie gegen Wehrmachtssoldaten, die sich am Wahnsinn nicht mehr beteiligen oder ihm ein Ende bereiten wollten, wurde ein groß angelegter Mordfeldzug in Gang gesetzt, um einen antifaschistischen Neubeginn nach dem Krieg im Keim zu ersticken.

SS, Gestapo, aber auch einfache NSDAP-Mitglieder, Volkssturmmänner und Hitlerjungen nahmen teil an Massakern im Ruhrkessel, an Erschießungen in vielen Städten und Dörfern, am Mord an Gefangenen aus KZs und Zuchthäusern, auf Todesmärschen, an Standgerichten gegen Deserteure. Die Verbrechen in der allerletzten Phase des Krieges waren sowohl örtliche Amokläufe als auch Teil der Nachkriegsplanungen des deutschen Faschismus.

Ulrich Sander bilanziert das Ausmaß der Verbrechen, um die Opfer dem Vergessen zu entreißen und die Täter zu benennen. In dieser zweiten, erheblich erweiterten Auflage liefert er eine – wenn auch noch immer unvollständige – Gesamtdarstellung dieser Vorgänge. Mit einem Personenregister.

Ausführungen zur Buchpräsentation hier:

https://steinwache-rombergparkkomitee.org/literatur/

Neuer Vorstand des Fördervereins

In der Mitgliederversammlung am 7. März 2020 wurde der Vorstand neu gewählt:

Als Nachfolger von Ernst Söder, der jetzt zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde, kandidierte Norbert Schilff und erhielt das einstimmige Votum der Mitgliederversammlung zum Ersten Vorsitzenden.

Zu Stellvertretenden Vorsitzenden hat die Versammlung

Doris Borowski, Georg Deventer und Hannelore Tölke gewählt.

Kassierer wurde Marc Frese.

Zu Beisitzern wurden

Günter Bennhardt

Iris Bernert Leushacke

Ralf Brinkhoff

Petra Dresler-Döhmann

Thorsten Heymann

Dmitriy Kostovarov

Andreas Roshol

Ulli Sander

Wilfried Stockhaus

in den Vorstand gewählt.

Zum Vorstand gehören ferner die Vorsitzende des Jugendringes Dortmund, Sophie Niehaus und Joice Schröder, Fabian Karstens und Jannis Gustke als Vertreter der BotschafterInnen der Erinnerung.

Kassenprüfer sind für die nächsten zwei Jahre Anja Butschkau und Willfried Harthan.

Ernst Söder (links) und Norbert Schilff

Von links:

Marc Frese – Doris Borowski – Günter Bennhardt – Georg Deventer – Ernst Söder –

Wilfried Stockhaus – Hannelore Tölke – Ralf Brinkhoff – Norbert Schilff – Thorsten Heymann –

Dmitriy Kostovarov – Ulli Sander – Petra Dresler-Döhmann – Joice Schröder – Jannis Gustke.

Es fehlen: Andreas Roshol, Iris Bernert-Leushacke und Karsten Fabian.

Kostenlose Führungen durch die Dauerausstellung „WIDERSTAND UND VERFOLGUNG IN DORTMUND 1933-1945“

an jedem ersten Sonntag im Monat um 11:00 Uhr.

Individuelle Termine für Führungen und Seminare zu einzelnen Schwerpunktthemen können telefonisch vereinbart werden.

Kontakt / Information:

Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstaße 50, 44147 Dortmund

Tel. 0231 / 502502, http://www.ns-gedenkstätten.de/nrw/Dortmund

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00-17:00 Uhr

 

Buchpräsentation – Das Echo deiner Frage

Dora und Walter Benjamin – Biographie einer Beziehung
Buchpräsentation mit Eva Weissweiler

Sie schrieb genauso fundiert über Giftgas wie über die Diskriminierung der Frauen oder Musik im Stummfilm. Und das zu einer Zeit, in der der Holocaust nicht mehr als eine Ahnung war und Männer alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu dominieren schienen. Dora Benjamin war einmalig, auch wenn ihr Genie stets von dem ihres Ehemanns Walter Benjamin verdeckt blieb. Trotz ihrer ungewöhnlichen Selbstständigkeit war sie ihm verfallen und verzieh ihm seine zahllosen Affären. „Das Echo deiner Frage“ thematisiert erstmals ausführlich die dramatische Beziehung des Paares, zweier Menschen, die aufgrund ihrer Unangepasstheit und ihrer jüdischen Abstammung stets heimatlos blieben, damit jedoch höchst unterschiedlich umgingen. Eine spannende Paarbiographie, in deren Mittelpunkt eine Frau steht, deren von Selbstverwirklichung, aufopfernder Liebe, Flucht und Verfolgung geprägtes Leben auch heute noch brandaktuell ist.

Eva Weissweiler, Dr. phil., Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Islamwissenschaft. Sie veröffentlichte u.a. die Bücher Clara Schumann (1990), Tussy Marx. Das Drama der Vatertochter (2002), Die Freuds. Biographie einer Familie (2005), Wilhelm Busch. Der lachende Pessimist (2007), Otto Klemperer (2009), Friedelind Wagner (2013), Luise Straus-Ernst (2016) und zuletzt Lady Liberty: Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor (2018). Eva Weissweiler lebt als freie Schriftstellerin und Rundfunkautorin in Köln.

Datum: Mittwoch, 11. März 2020, 19:00 Uhr

Ort: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstr. 50, 44147 Dortmund

Dokumentarfilm: „Liza ruft!“

Dokumentarfilm von Christian Carlsen

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentarfilm über den Holocaust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungspolitik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weggefährt_innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beeindruckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fortwährender Verfolgung ebenso wie eine unermüdliche und streitbare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.

Christian Carlsen (*1976) hat Geschichte und Literatur studiert. Die Arbeit mit Überlebenden des Holocausts führte ihn dazu, Filme zu machen. Er arbeitet im Stasi-Unterlagen-Archiv und lebt in Berlin.

Zeit: Donnerstag, 20. Februar 2020, 19:00 Uhr

Ort: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstraße 50, 44147 Dortmund