Erinnern. Gedenken. Mahnen.

Veranstaltung am 22. Juni 2026 am Stalag-Gedenkstein an der Westfalenhalle

Unter diesem Zeichen veranstaltete der Förderverein am 22. Juni 2026 seine schon traditionelle Gedenkveranstaltung am Gedenkstein an der Westfalenhalle (nahe der Fußgängerbrücke über die B 1) in Erinnerung an den Überfall der deutschen Wehrmacht am 22.06.1941 – vor 85 Jahren – und die nach Deutschland verschleppten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Von 1939 bis 1945 waren im sog. Stammlager VI D in der Westfalenhalle und ab 1941 in umliegenden Baracken insgesamt rund 300.000 Männer dem Lager zugewiesen, die in etwa 300 Arbeitskommandos in ganz Westfalen Zwangsarbeit verrichten mussten. Im Herbst 1944 waren rund 78.000 Kriegsgefangene aus Frankreich, der Sowjetunion, Italien, Polen, Belgien und dem ehemaligen Jugoslawien zugewiesen. Viele von Ihnen starben infolge von Willkürakten, Krankheit, Unterernährung und bei Bombenangriffen, denen sie schutzlos ausgeliefert waren.

In diesem Jahr erhielt die Gedenkveranstaltung eine besondere Bedeutung, nachdem die Untere Denkmalbehörde am 29. Mai 2026 die aktuellen archäologischen Untersuchungen auf der Baustelle für eine neue Messehalle und Kongresszentrum mit bedeutenden Ausgrabungsfunden der Öffentlichkeit präsentiert hat. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 5 Barackenfundamente freigelegt, es wurden Schuhe und Alltagsgegenstände gefunden. Nun wurde das unrühmlichste Kapitel der 100-jährigen Geschichte der Westfalenhalle in Teilen sichtbar und greifbar. Aufgrund der archäologischen Arbeiten ist die Baumaßnahme gestoppt worden.

Georg Deventer konnte bei seiner Begrüßung etwa 25 Teilnehmende begrüßen, darunter auch zwei Vertreter der Unternehmensgruppe der Westfalenhallen GmbH. Wegen der großen Hitze hatte die Westfalenhalle einen großen Sonnenschirm als Schattenspender aufgestellt und für kühle Getränke gesorgt, wofür alle sehr dankbar waren. Hanne Tölke informierte in ihrem Redebeitrag über das Stammlager, Dmitriy Kostovarov gab einige Erklärungen zu dem großen Banner, welches die Lage der Baracken zeigt.  Am Vortag, dem 21. Juni 2026, hatte eine Veranstaltergemeinschaft um den historischen Verein Ar.kod.M auf dem internationalen Friedhof am Rennweg in Wambel eine besondere Veranstaltung mit dem Verlesen von 4.473 sowjetischen Kriegsopfern durchgeführt.  Mit dieser Namenslesung wurde an die Opfer erinnert, die oft namenlos, auf diesem Friedhof begraben wurden.

Im Zusammenhang mit der Kranzniederlegung am Gedenkstein informierte Georg Deventer über die aktuelle Stellungnahme des Fördervereins zu den Ausgrabungen mit der Forderung zur Schaffung eines Erinnerungsortes. Der Förderverein sieht die Chance, die Weiterentwicklung der Westfalenhallen mit der Erweiterung des Messe- und Kongresszentrums – welches in wirtschaftlicher Hinsicht unbestritten ist – und eine würdige Erinnerungskultur miteinander zu verbinden. Das Positionspapier beinhaltet auch das Angebot zur Mitwirkung bei der Erstellung einer Konzeption. Die Ausarbeitung wurde dem Oberbürgermeister, allen demokratischen Ratsfraktionen sowie der Bezirksvertretung Innenstadt-West zugeleitet.

Die Stellungnahme ist auf der Website des Fördervereins nachzulesen.