Die FIR tagte in Wien zum 60. Gründungstag – Ein antifaschistischer Verband mit langer Tradition und großen Zukunftsaufgaben

Vilmos Hanti aus Ungarn neuer FIR-Präsident / Rombergpark-Komiteemitglied Piet Schouten Vizepräsident / Ehrung für Celine van der Hoek de Vries / Tausend Jugendliche besuchen die Gedenkstätte Auschwitz

Über 130 Delegierte und Gäste aus 16 europäischen Ländern und Israel – der Älteste von ihnen war Spiros Kotoros, ein 99-jähriger griechischer Partisan – kamen Anfang Juli 2011 im „Alten Rathaus“ von Wien zusammen, um das 60. Gründungsjubiläum der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten zu begehen. Zuvor wurde eine außerordentliche Konferenz veranstaltet, um einen neuen Präsidenten zu wählen und eine neue große Aktion, die Fahrt von eintausend Jugendlichen Europas in die Gedenkstätte Auschwitz, vorzubereiten. Aus Dortmund haben Gisa Marschefski und Günter Bennhardt (Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee), Traute Sander (Landeskassiererin der VVN-BdA NRW) und Ulrich Sander (VVN-BdA-Bundessprecher) an der Konferenz teilgenommen.

In der Erklärung zum 60. Gründungsjubiläum der FIR heißt es: „Gemeinsam mit den Angehörigen heutiger Generationen handeln wir gegen Neofaschismus und extreme Rechte, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, Krieg und internationalen Terrorismus sowie deren gesellschaftliche Wurzeln. So schaffen wir eine ‚neue Welt des Friedens und der Freiheit!’“ Dies sei nur in enger Verbundenheit zwischen den antifaschistischen Verbänden in den verschiedenen Ländern und im Bündnis mit Kräften der Zivilgesellschaft möglich.

In deren Grußworten wurde sichtbar, welche Bedeutung die FIR hat: Mit dem belgischen „Institut des Vétérans“ organisiert die FIR internationale Jugendtreffen und Beiträge zur Erinnerungsarbeit. Der ehemalige ungarische Präsident Dr. Arpad Göncz erinnerte in einer verlesenen Grußbotschaft an die Bedeutung des Kampfes um Demokratie und Freiheitsrechte – eine Botschaft von großer Aktualität im heutigen Ungarn. Der Weltgewerkschaftsbund unterstrich die Gemeinsamkeit der Ideale von Antifaschisten und Arbeiterbewegung bei der Schaffung einer gerechten, sozialen und friedlichen Welt. Der russische Kriegsveteranenverband, die italienische Partisanenorganisation ANPI und das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos betonten die Internationalität des Antifaschismus.

Gegründet 1951 in der Zeit des Kalten Krieges, stellte die FIR die Einheit der ehemaligen Kämpfer und Teilnehmer der Anti-Hitler-Koalition gegen die Gefahr neuer Kriege, gegen den Nazismus, gegen den Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten in den verschiedenen europäischen Ländern ins Zentrum. Die Erinnerung an den antifaschistischen Kampf versteht die FIR nicht allein als Traditionsarbeit, sondern als historisches Vermächtnis, welches das politische Handeln für die Verwirklichung der gemeinsamen Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ begründet.

Dies wird in einer gedruckten Präsentation deutlich, die einen Überblick über das Handeln und zahlreiche Höhepunkte der vergangenen Jahrzehnte liefert. Auf Bildern sind Großaktionen gegen Neofaschisten und SS-Verbände, Konferenzen zu medizinischen oder historischen Themen, Friedensaktionen, das internationale Jugendtreffen in Buchenwald und Persönlichkeiten aus 60 Jahren FIR-Geschichte zu sehen. Natürlich fehlt nicht die Urkunde von 1987, mit der die Vereinten Nationen die FIR als „Botschafterin des Friedens“ würdigten.

Das jüngste Mitglied des Leitungsgremiums der FIR, der Portugiese David Pereira, übergab 20 Veteranen der antifaschistischen Bewegung die „Ehrenmedaille der FIR“. Auch Celine van der Hoek de Vries aus Amsterdam, Ehrenmitglied des Dortmunder Fördervereins Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee, erhielt die Ehrenmedaille. 

Zum Abschluss rief der neugewählte Präsident der FIR, der Ungar Vilmos Hanti, die Antifaschisten unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Überzeugung dazu auf, in Erinnerung an die Gemeinsamkeiten des Kampfes gegen die faschistische Bedrohung heute gemeinsam für Frieden, soziale Gerechtigkeit, gegen Diskriminierung und Rassismus, für Freiheit und Demokratie, also für Antifaschismus einzutreten. 

Bei der Wahl hatten die Delegierten zu entscheiden zwischen Vilmos Hanti, der 21 Stimmen bekam, und dem alten wie neuen Vizepräsidenten Christos Tzinzilonis, der 11 Stimmen erhielt. Hanti ist Präsident des ungarischen Verbandes der Widerstandskämpfer und Antifaschisten – demokratische Union (MEASZ). Wiederholt ist der Sozialdemokrat inzwischen von den in Ungarn autoritär herrschenden Kräften bedroht worden. Er folgt als Präsident dem verstorbenen Michel Vanderborght aus Belgien nach. Ilja Kraev aus Russland und Piet Schouten aus den Niederlanden (Mitglied des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee) wurden zu weiteren Vizepräsidenten gewählt. Erstmals in der Geschichte der FIR gehören alle Neugewählten der Nachkriegsgeneration an.