30 Jahre Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Im Oktober 1992 wurde in Dortmund der Gefängnistrakt der Steinwache als Mahn- und Gedenkstätte mit der Dauerausstellung „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945 “ eröffnet. Die Stadt Dortmund bzw. das Stadtarchiv als Träger der Einrichtung führen im Oktober d.J. drei Veranstaltungen durch: 
1.) am 25.10.22 von 14.30 Uhr – 18.30 Uhr in der Steinwache einen Workshop für Lehrer/innen und Multiplikatoren zu „neuen Bildungsformaten der Gedenkstätte Steinwache“. 
2.) am 27.10.22 um 19 Uhr im Dietrich-Keuning-Haus einen „Werkstattbericht“ zur „Neuen Steinwache“. 
3.) am 31.10.22 um 19 Uhr im Museum für Kunst und Kulturgeschichte eine Podiumsdiskussion „…daß Auschwitz nicht noch einmal sei…“ Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der NS-Erinnerung. 

Näheres ist aus dem beigefügten Programm-Flyer zu entnehmen, den wir als Förderverein Gedenkstätte Steinwache – Intern. Rombergpark-Komitee e.V. gern veröffentlichen. Wir bitten um Beachtung, dass gebeten wird, sich jeweils schriftlich per Mail unter stadtarchiv-dortmund@stadtdo.de anzumelden. (Deventer) 

Besuch am 3. September 2022 in Stukenbrock

Mitglieder des Fördervereins besuchten am 3. September 2022 Stukenbrock, um an dem Antikriegstag teilzunehmen. 65 000 sowjetische Kriegsgefangene wurden im Lager Stukenbrock von SS- und Wehrmachtsangehörigen gequält. Sie starben an Hunger, Kälte, Krankheiten, Folter, Totschlag, Erschießen. Zu ihren Ehren entstand ein Obelisk, an dem das Foto mit dem Referenten, Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker, entstand.

 „Wo stehen wir, dieses Land, diese Gesellschaft, mehr als 75 Jahre nach der Befreiung durch die Rote Armee?“, so Rolf Becker. „Plötzlich gab es keine Nazis mehr, damals, 1945 – alle waren verschwunden. Uns aber hat Auschwitz nicht verlassen. Die Gesichter der Todgeweihten, die in die Gaskammern getrieben wurden, die Gerüche blieben, die Bilder, immer den Tod vor Augen, die Albträume in den Nächten.

Wir haben das große Schweigen nach 1945 erlebt, erlebt wie Nazi-Verbrecher davonkommen konnten – als Richter, Lehrer, Beamte im Staatsapparat und in der Regierung Adenauer. Wir lernten schnell: Die Nazis waren gar nicht weg. Die Menschen trauerten um Verlorenes: um geliebte Menschen, um geliebte Orte. Wer aber dachte über die Ursachen dieser Verluste nach, fragte, warum Häuser, Städte, ganze Landstriche verwüstet und zerstört waren, überall in Europa? Wen machten sie verantwortlich für Hunger und Not?

Dann brach die Eiszeit herein, der Kalte Krieg, der Antikommunismus. Es war ein langer Weg vom kollektiven Beschweigen bis zum Eichmann-Prozess in Jerusalem, über die Auschwitzprozesse in Frankfurt am Main zu den Studentenprotesten in den 1968er Jahren, hin zur Fernsehserie „Holocaust“ ab 1979. Nur zögerlich entwickelte sich das Bewusstsein, die Wahrnehmung des NS-Unrechts.

Aber auch die Rechten, die Alt- und Neonazis und Auschwitzleugner formierten sich. Sonntagsreden, die Betroffenheit zeigen, reichen deshalb nicht. Betroffenheit muss zum Handeln führen, es muss gestritten werden für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung, Verfolgung, Antisemitismus, Antiziganismus, ohne Ausländerhass. Nicht nur an Gedenktagen.

Auftrag angesichts der Gräber hier, den es zu konkretisieren gilt: Das Sterben derer, die hier liegen, erhält einen Sinn, wenn wir uns nicht beschränken auf Erklärungen und Transparente, sondern aufklären über Geschichte wie Gegenwart und uns dem Eingreifen bei ökonomischen und politischen Konflikten nicht verweigern. Die Gräber der Toten hier zu Fußstapfen der Freiheit machen – lasst uns den Auftrag annehmen“.

(Auszüge aus Beckers Ansprache)