Besuch der Kriegsgräberstätte des Lagers Stalag VI A nach Hemer

Gemeinsam mit den Gästen aus den Niederlanden und Berlin unternahm der Förderverein am Donnerstag vor Karfreitag eine Studienfahrt zur Gedenkstätte des Stalag VI A in Hemer und hat dort u.a. auch die Kriegsgräberstätten des Lagers besucht.

Stalag ist eine Abkürzung für „Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager.“ Das Stalag VI A in Hemer war während des Zweiten Weltkrieges eines der größten Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich.

Mehr als 320 Tausend Kriegsgefangene durchliefen von September 1939 bis April 1945 das Lager in Hemer.

Menschen verschiedener Nationen wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten. Hunger, Krankheit, Misshandlungen und Erschöpfung kostete vielen Gefangenen das Leben. Besonders schlimm war das Los der sowjetischen Kriegsgefangenen, die ab Oktober 1941 im VI A inhaftiert waren.

Das Stalag VI A in Hemer war insbesondere für die Bereitstellung von Arbeitskräften für den Ruhrbergbau zuständig. Die Kriegsgefangenen mussten in Betrieben und Zechen schuften. Wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren, wurden sie völlig entkräftet von der harten Arbeit ins Lager zurückgeschickt. Viele, insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, starben im Lager.

Auf dem Friedhof auf dem Duloh wurden mehr als 20 Tausend meist sowjetische Kriegsgefangene begraben. Von sehr vielen sind die Namen bis heute nicht bekannt. Das Denkmal auf der Kriegsgräberstätte „Höcklinger Weg“ trägt die Inschrift „Hier ruhen 3000 sowjetische Bürger, die in den Jahren 1941 – 1945 fern ihrer Heimat starben“.

 

 

 

 

Redebeitrag am Karfreitag 2019 in der Bittermark – Ernst Söder – Förderverein Gedenkstätte Steinwache – IRPK

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Ulli Sierau,

verehrte Madame Godard, lieber Wolfgang Asshoff,

liebe Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung!

Meine Damen und Herren!

Wir klagen an! Wir klagen an den faschistischen Mob, der unsägliche Verbrechen an aufrechten Menschen und ihren Kindern verübt hat. Wir klagen an, wenn wir schweigen, schreien die Steine.

Heute gedenken wir der Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft, all‘ der Ermordeten, denen von den Nazis das Recht auf Leben abgesprochen wurde, derer die Widerstand leisteten, die ihr Leben als Andersdenkende verloren, die sich nicht beugten und ihre politische Überzeugung, ihre Moral und ihren Glauben nicht aufgaben.

Wir gedenken der Bittermarkopfer und tausender sowjetischer, französischer,  polnischer und jugoslawischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, die den Massenmördern ausgeliefert waren.

Diese, von einem zivilisierten Verhalten weit entfernte Barbarei – vor allem der Gestapo – war nicht nur eine Tat bloßer Willkür, sie macht das Wesen des Faschismus aus.

Hände und Füße wurden diesen armen Opfern mit Stacheldraht gefesselt, ihre Leiber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass die Mehrzahl von ihnen nicht mehr zu erkennen war.

Warum diese Grausamkeiten? Oft wird gesagt, dass die Banditen nicht mehr auf einen „Endsieg“ hofften, dass sie Zeugen ihrer Verbrechen zum Schweigen bringen und sie als Mitgestalter Deutschlands ausschalten wollten.

Aber verehrte Anwesende. Das ist eine Verharmlosung der Untaten. Können Kleinkinder Zeugen sein? Muss man sie quälen und töten, um sie als Zeugen zu beseitigen? Nein und abermals nein! Die Schergen glaubten an ihren „Endsieg“ und sie waren von der Richtigkeit ihrer Verbrechen überzeugt. Sie hielten sich für die Elite der Nation. Tatsächlich waren sie unerträgliche Lumpen und feige Verbrecher. So bleibt nur ein Schluss: Es war reine Mordlust, die sie trieb. Sie beendeten ihren Abgang mit Totschlag, Raub und Mord, ebenso wie sie in Deutschland ihren Machtantritt begonnen hatten.

Millionen von Toten hat die braune Pest zu verantworten. Aber die Menschen sind nicht einfach gestorben. Sie wurden ermordet, zertrampelt, vergast, erschlagen, sie wurden erstickt, ersäuft, gehenkt, vergiftet, erschossen und abgespritzt. So stellten es die befreiten Buchenwälder in ihrem Schwur – heute vor genau 74 Jahren – am 19. April 1945 – fest.

Allein in Buchenwald wurden 56 Tausend Menschen ermordet. Man muss sich das vorstellen, die Zahlen sind abstrakt. Das sind beispielsweise alle Einwohner des Stadtbezirkes Hombruch bzw. Brackel oder in Dortmund-Aplerbeck.

Wir verneigen uns heute vor den Toten und wissen zugleich um die tiefen, lebenslang schmerzenden Wunden, unter denen die überlebenden dieser Schrecken und Verbrechen zu leiden haben.

Im Gedenken an das Leid und die im deutschen Namen begangenen Verbrechen, den weit in alle Bevölkerungskreise hineinreichenden Verlust von Humanität, bekennen wir uns dazu, wachsam gegenüber Unmenschlichkeit zu bleiben und uns gegen Ausgrenzung gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu Wehr zu setzen.

Ewiggestrige sind jedoch bestrebt, von den Ursachen des Faschismus und dem unermüdlichen Leid  der Hitlerdiktatur und seiner internationalen Verbrechen abzulenken. Es gibt bei uns, wie in anderen Ländern, seit langem neofaschistische Umtriebe, die nicht verharmlost und unbeachtet bleiben dürfen und die wir benennen müssen.

So ist es auch nicht hinnehmbar, dass der von den deutschen Faschisten begangene Völkermord von Abgeordneten des Deutschen Bundestages stets verharmlost wird. Parteien, die eine rassistische Politik betreiben und die Nazizeit verharmlosen, dürfen in deutschen Landen keine Normalität werden. Sie sind überflüssig wie ein Kropf.

Der Rechtsextremismus sitzt in unserer Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür und an manchen Stellen droht er, die gesunden Zellen aufzufressen. Hetzer und Populisten von rechts sind Rechtsradikale und sie sind Deutschnationale mit ihrer völkischen Rhetorik, auch wenn sie mit Adelstiteln daherkommen.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern erfahren wir schon seit geraumer Zeit die Ernte des ausgesäten Windes, und aus einem lauen Lüftchen ist ein böser Sturm geworden. Doch das ist nicht der wünschenswerte, notwendige und frische Wind. Das ist der stinkende Wind aus der Kloake der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, anders Gläubiger und anders Aussehender, ist allgegenwärtig. Die Repression gegen die freie Presse feiert in einigen Ländern fröhlichen Urstand. Es ist vielerorts eine Atmosphäre voller Hass und Gewalt entstanden. Die Wahrheit ist schon seit langem kein Maßstab mehr, alles wird behauptet und zusammengelogen, wenn es nur die Ängste und Vorurteile schürt.  Und die herrschende Politik gibt diesen Stimmungen nach und befeuert sie auch noch.

Regierungen, wie beispielsweise in Italien, Polen und Ungarn machen die Gefahr einer Rechtsentwicklung in Europa deutlich. Mittlerweise haben diese Regierungen ihr politisches Profil unter das Motto „Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus“ gestellt.

Aber auch in Dänemark, Schweden, Österreich, in Frankreich und Großbritannien beobachten wir seit langem einen zunehmenden  Rechtspopulismus, und im Baltikum ist es möglich, dass ehemalige Horden der SS öffentlich und mit dem Wohlwollen ihrer Regierungen ihre Paraden abhalten. Es ist unglaublich, dass diese Banditen aus dem deutschen Bundeshaushalt eine Rente beziehen, weil sie dem Führer bis zum Schluss gedient haben.

1945 haben die Menschen gesagt: „Nie wieder Krieg!“- Aber wie viele Kriege hat es seit 1945 gegeben, Kriege an denen auch unser Land beteiligt war. Jährlich werden fast zwei Billionen Euro für Rüstung und Krieg ausgegeben.

Die Rüstungsexporte und Rüstungsimporte steigen, über 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht; auf der Suche nach Sicherheit ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer, das zur tödlichen Grenze geworden ist. Die Kriege und bewaffneten Konflikte wie beispielsweise in Syrien, Kurdistan, im Irak, in Afghanistan oder der Ukraine nehmen kein Ende.

Wie lange, meine Damen und Herren, kann die Weltgemeinschaft das noch ertragen? Welche Sicherheiten haben wir, dass all diese Konflikte nicht eines Tages dazu führen, die Demokratien in Europa zu gefährden und es wieder zu totalitären Systemen kommen könnte?

Deshalb ist es notwendig, dass wir vor allem der jungen Generation immer wieder vor Augen führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde mit Füßen trat, die Grundprinzipien mitmenschlichen Umgangs missachtete und einem von vielen Deutschen bejubelten Führer Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Wir wissen, wohin uns das geführt hat. August Bebel hatte schon Recht, wenn er sagte, dass man nur dann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten kann, wenn man die Vergangenheit kennt.

Bemerkenswert und lobenswert sind die Aktivitäten der jungen Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung, die auch heute wieder diese Gedenkfeier vorbereitet und ausgestaltet haben. Liebe Freunde: Respekt für eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz. Ihr habt bisher einen ansehnlichen Beitrag in unserer Stadt für die Erinnerungskultur und in der Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Tendenzen geleistet.

An den Gräbern der Ermordeten legen wir ein Bekenntnis ab zu Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern und unserer Nachwelt. Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit.

Erinnern und gedenken, mahnen, aber auch handeln, das ist unsere Losung. Ja, wir wollen Frieden, ja wir wollen eine Gesellschaft ohne Nazihorden und ihre Ideologie. Dafür müssen wir kämpfen und wachsam sein. Faschismus ist keine Weltanschauung, sondern ein Verbrechen. Faschisten sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen.

Der schon erwähnte Schwur von Buchenwald, vom 19. April 1945, dem wir uns verpflichtet fühlen, besagt in seiner Kernaussage „den Kampf erst einzustellen, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht und das Ziel zu erstreben, eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen.“

Günter Pappenheim, Häftling von Buchenwald, schreibt dazu. „Für mich war der Appell vom 19. April 1945 lebensbestimmend geworden. Wir 21 Tausend Überlebende des KZ Buchenwald schworen an diesem Tag und der Schwur wurde für uns der Kompass fürs Leben.

Und weiter: Wenn heute unterstellt wird, der Kerngedanke des Schwurs stelle die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland in Frage und gefährde sie sogar, ist eine unerträgliche Beleidigung der 56 Tausend Opfer und der Überlebenden des KZ Buchenwald.

Die Ungeheuerlichkeit des Vorwurfs mahnt uns, im Bemühen um eine gerechtere Welt nicht nachzulassen und keinen Schritt zurückzuweichen. Dabei standhaft zu bleiben verlangt, sich Wissen anzueignen, historische Zusammenhänge begreifen zu lernen und die Fähigkeit zu schlussfolgern, auszuprägen.

Die solche üblen Gedankengänge aushecken, mögen uns erklären, was vernünftiger ist, als eine Welt des Friedens und der Freiheit, die die Bekämpfung des Faschismus mit seinen Wurzeln impliziert.“

Für mich ist nicht klar, warum der Schwur von Buchenwald verfassungswidrig sein soll, das können sich nur Hirne ausgedacht haben, die die Vergangenheit bis jetzt nicht bewältigen konnten.

Das beeindruckende Mahnmal in der Bittermark, vor dem wir stehen, wurde Ende der fünfziger Jahre errichtet. Es soll die Menschen für immer an die grausame Naziherrschaft in Dortmund und vielen Ländern Europas erinnern. Es schweigt nicht, seine Steine schreien und mahnen uns zu kämpfen, rastlos zu kämpfen gegen Faschismus und Krieg.

 

 

 

 

 

 

 

Karfreitagsveranstaltungen 2019

Freitag, 19. April 2019 – 10.30 Uhr

Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in Brackel

Moderation und Führung: Norbert Schilff

 

Freitag, 19. April 2019 –   15.00 Uhr

Gedenkveranstaltung an der Mahn- und Gedenkstätte Bittermark     

 

 

 

 

Programmablauf:

Es sprechen:

Ulli Sierau, Oberbürgermeister

Ernst Söder, Förderverein Gedenkstätte Steinwache/ Internationales Rombergpark-Komitee e.V.

Nicole Godard, Frankreich

Moderation Botschafter_innen der Erinnerung

60 Jahre Bittermark: Wolfgang Asshoff

Kulturelle Beiträge der BdE 

Nach der Gedenkveranstaltung in der Bittermark laden wir zum gemeinsamen Kaffeetrinken in die Begegnungsstätte der AWO „Haus Bittermark“ ein.

Adresse: Do-Bittermark, Sichelstr. 2

Karfreitag findet um 11 Uhr am Mahnmal im Südpark in Lünen, in Erinnerung an die aus Lünen stammenden ermordeten Antifaschisten, ebenfalls ein Gedenken statt.                                    

WIR LADEN HERZLICH EIN!

Mit dem Gedenkstein in Lippstadt erinnern die Gewerkschaften an die sechs deutschen Metallarbeiter und sieben französischen Zwangsarbeiter, die 1945 von der Gestapo verhaftet und im Rombergpark bzw. in der Bittermark von der Gestapo ermordet worden sind.

Sie arbeiteten gemeinsam bei den Lippstädter Drahtseilwerken, der Betriebsdirektor hatte sie bei der Gestapo denunziert, nachdem sie einen ausländischen Radiobeitrag angehört hatten.   

KARSAMSTAG um 11 Uhr findet ein Gedenken am Gedenkstein an der  St. Josefskirche statt.

Es sprechen:

Holger Schild, DGB-Kreisvorsitzender                                  

Christof Sommer, Bürgermeister                                       

Georg Deventer Gedenkstätte Steinwache / IRPK e.V.

  1. April 2019

 

 

Unternehmen Barbarossa

Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion

am 22. Juni 1941

 

Sowjetisches Ehrenmal

„Unternehmen Barbarossa“ war der Deckname des faschistischen Hitlerregimes für den Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion  am 22. Juni 1941.

 

An dieses Verbrechen wollen wir erinnern und am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg, in Dortmund-Brackel, ein Blumengebinde niederlegen und der Toten und Ermordeten gedenken.

 

 

Einladung

zur Gedenkveranstaltung

auf dem Internationalen Friedhof

 Kranz

Freitag, 22. Juni 2018

um 17 Uhr.

 

 

Gegen das Vergessen!

Rede von Ernst Söder Karfreitag 2018

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Jörder

liebe Gäste und Freunde aus dem In- und Ausland

verehrte Madame Godard

liebe Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung

meine Damen und Herren!

Wir haben uns am  heutigen Karfreitag  erneut an diesem Ort der Mahnung zusammengefunden, um  an die Verbrechen  zu erinnern, die  von Mördern der faschistischen Staatsmacht  1945 in Dortmund begangen worden sind.

Diese Tage im März und April 1945 gehören wohl zu den schwärzesten in der Geschichte unserer Stadt.

In dieser Zeit, an dem sich schon das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit die Niederlage der nationalsozialistischen Machthaber abzeichnete, kam es in Dortmund zu den Massakern an nahezu 300 Gefangenen, Zwangsarbeitern und Widerstandskämpfern aus sieben Ländern. Hier in der Bittermark und im Rombergpark.

Aus Überzeugung kämpften diese Menschen gegen die faschistische Diktatur und deren Unmenschlichkeit. Sie waren bereit, sich aufzulehnen und den Mund aufzutun, weil sie nicht schweigen und zusehen wollten, wie in Deutschland Zivilisation und Humanität von den braunen Machthabern in den Dreck gezogen werden.

Mit der Niederlegung von Blumen und Kränzen am heutigen Karfreitag  geben wir unserer Trauer einen äußerlichen und würdigen  Rahmen. Es ist ein Zeichen des Andenkens, das wir den Ermordeten damit zum Ausdruck bringen können.

Und wer waren die Täter dieses Verbrechens am Ende des Krieges 1945?

Erst  sieben Jahre nach den Gräueltaten fand vor dem Dortmunder Schwurgericht ein Prozess gegen die Täter statt.  Die Namen und die Herkunft der Mörder dieses unsagbaren Verbrechens sind nicht unbekannt geblieben, doch nur sehr  wenige SS- und Gestapoleute wurden zur Rechenschaft gezogen. Die Zurückhaltung in der Verfolgung von NS-Tätern führte im Jahre 1952  zu einer bemerkenswerten Milde für die Verurteilten.

Manche erhielten erneut Positionen in der Staats- und Justizverwaltung und arbeiteten wieder bei der Polizei – und aufgrund ihrer Verdienste wurden sie   in höhere Dienstgrade befördert.

Schwerwiegende Versäumnisse bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen waren das Ergebnis von bewusst herbeigeführten politischen und juristischen Entscheidungen in den 50er und 60er Jahren, die auch Einfluss auf den Rombergpark-Prozess hatten.

Die Verhandlungen wurden von Richtern vorgenommen, die bereits während der Nazidiktatur  als Richter tätig waren und  erneut in den Staatsdienst übernommen worden sind. Eine Entnazifizierung hatte nicht stattgefunden. Somit urteilten Nazis über Nazis.

Wir wissen:

Entnazifizierungen  waren in jenen Tagen höchst unpopulär und wurden schon bald eingestellt, nachdem die in ihren Ämtern Verbliebenen,  in Folge gesetzlicher Bestimmungen, gleichsam amnestiert  und begnadigt worden waren.In Schlüsselfunktionen in der Justiz, Verwaltung und in der Politik fanden sich ehemalige Nazis wieder.

Bekannt ist, dass nach 1959 etwa die Hälfte der Leitenden Beamten im Bundes- bzw. in den Landeskriminalämtern ehemalige SS-Kreaturen und Gestapoleute von Polizeilichen Sondereinheiten tätig gewesen sind, die an Massenmorden beteiligt waren.

Der Schwur von Buchenwald, dem wir uns verpflichtet fühlen, besagt in seiner Kernaussage „ … den Kampf erst einzustellen, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht, und dem Ziel zu folgen,  „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen“. Es gibt aber  nicht nur Schuldige, sondern auch schon wieder Neue. Daher wenden wir uns gegen neues Unheil.

Ein Gedenktag – wie der  heutige hier in der Bittermark – macht allerdings nur Sinn, wenn wir aus der Vergangenheit gelernt haben und neues Unrecht nicht hinnehmen.

Es genügt  nicht allein, die Erinnerung wach zu halten. Solche Tage wie heute sind insbesondere dafür da, zu mahnen und aktiv zu sein.

Erinnerung soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung von Mord und Massenmord entgegenwirken.

Sich den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen, ist jedoch unverzichtbar. Dazu verpflichten uns die Opfer, ihre Angehörigen und Nachkommen.

Wir wissen aber auch um die erneuten Gefahren von Nationalismus, Antisemitismus  und Rassenhass  bei uns in Deutschland und anderswo. Tag für Tag. Und wir wissen, wie sehr politische Wachsamkeit gefordert ist. Jede Form von Antisemitismus und Rassismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen – überall und jeden Tag.

In Europa erfahren wir schon seit  geraumer Zeit die Ernte des ausgesäten Windes. Aus diesem lauen Lüftchen ist ein böser Sturm geworden. Das ist nicht der wünschenswerte, notwendige und frische Wind.  Das ist der stinkende Wind aus der  Kloake der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, anders Gläubiger, anders Aussehender, ist allgegenwärtig. Die Repression gegen die freie Presse feiert in vielen Ländern fröhlichen Urstand. Es ist vielerorts eine Atmosphäre voller Hass und Gewalt entstanden. Das war und das ist der Nährboden des Faschismus.

Doch wir wollen keinen Faschismus mehr. Und da gibt es auch kein Pardon. Faschismus ist keine Ideologie. Faschismus ist ein Verbrechen, für das es niemals eine Entschuldigung gibt. Damals wie heute: Faschisten sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen.

Haben wir nach 1945 nicht allesamt gesagt „Wehret den Anfängen?“. Diese Erkenntnis hat längst ihre Wirkung verloren.  Wir sind schon wieder mittendrin: Rechtsradikalismus und Rassenhetze gehören zu den täglichen Erscheinungen und werden von rechts ausgerichteten Parteien auch noch geschürt.

Eine Dortmunder Zeitung schreibt Anfang März dieses Jahres, dass zehn rechtsradikale Taten pro Tag allein  in Nordrhein-Westfalen verübt werden. Das heißt: Wir müssen wachsam sein, „denn der Schoß ist furchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie Bert Brecht es einst gesagt hat und heute von höchster Aktualität ist.

Immer wieder stellen wir uns die Frage, wieso die Nazis in unserer Republik nahezu unbehelligt ihr Unwesen treiben dürfen. Geschützt von den Gerichten verbreiten sie ihren Hass unter unserer Jugend und finden dort einen guten Nährboden.

Wie aber sollen wir unserer Jugend begreiflich machen, dass das, was die Nazis verbreiten, verbrecherisch ist, wenn wir diese gleichzeitig verfassungsrechtlich schützen und darüber hinaus auch noch finanziell unterstützen? Ein solcher  Widerspruch ist wohl kaum zu vermitteln.

Jahr für Jahr führen  uns die Neonazis immer wieder mit Aufmärschen ihre menschenverachtende Weltanschauung vor und niemand scheint im Stande, diesem unwürdigen Schauspiel ein Ende zu bereiten. Sicher, unser Recht auf freier  Meinungsäußerung ist ein hohes Gut. Dieses Gut ist so  hoch anzusetzen, dass wir auch mit Meinungen leben müssen, die jenseits  vom guten Geschmack,  allgemeiner Moral- und Wertvorstellung liegen.

Doch das, was die Nazis verbreiten,  ist mehr als nur ein schlechter Geschmack. Sie vergiften unsere Gesellschaft, verbreiten Hass und sind gewaltbereit.

Zeigen wir den Nazis am 14. April anlässlich ihrer europaweiten Demonstration in Dortmund, dass wir ein offenes, solidarisches Europa und keine nationalistische Beschränktheit wollen.

Unsere Geschichte verpflichtet uns zum Handeln –  gegen rechtsextremes Denken, gegen Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz.

Wir tragen Verantwortung für die Gestaltung einer demokratischen und freien sozialen Gesellschaft.

Und künftigen Generationen müssen wir immer wieder vor Augen führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat,  die

Grundprinzipien mitmenschlichen Umganges missachtete – und einem von vielen bejubelten Führer und Diktator – Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Einem Führer, der von Größenwahn, Völkermord, Rassenhetze, Vernichtung und Verbrechen gegen das Völkerrecht besessen war.

Bemerkenswert und lobenswert sind die Aktivitäten  der  jungen BotschafterInnen der Erinnerung, die seit vielen Jahren die Gedenkfeiern in der Bittermark vorbereiten,  mitgestalten und moderieren und seit langem sich das Ziel gesetzt haben, den Opfern ein Gesicht zu geben.

Heute werden sie unterstützt von den „Botschafterinnen und Botschaftern“ aus Paris,

die seit mehreren Tagen in Dortmund sind und den Verlauf des Programms mitgestalten.

Liebe Freunde: Respekt für Eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz und für die Gestaltung der heutigen Gedenkveranstaltung.

Legen wir an den Gräbern der Ermordeten ein Bekenntnis ab zum Frieden,  zu Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern und unserer Nachwelt.

Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit, für die sie ihr Leben gaben; denn jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Erinnern,  Gedenken, Mahnen – aber auch handeln – das ist unsere Losung.

Ja, wir wollen endlich Frieden, endlich eine Gesellschaft ohne Naziideologien und Nazihorden. Dafür müssen wir kämpfen und wachsam sein.

Karfreitag 2018

In diesem Jahr wurde die Gedenkveranstaltung durch französische und deutsche Botschafter*innen der Erinnerung gestaltet. Die Rede von Ernst Söder finden Sie oben, einen Artikel vom Nordstadtblogger finden Sie hier.

Einladung zur Mitgliederversammlung am 3.2.2018

Die Mitglieder des Fördervereins sind herzlich zur nächsten Mitgliederversammlung eingeladen, die am Samstag, 3.2.2018, um 10 Uhr im Europazentrum (Auslandsgesellschaft), Steinstraße 48, Dortmund, stattfindet.

Wesentliche Tagesordnungspunkte:
– Bericht des Vorstandes
– Kassenbericht und Bericht der Kassenprüfer
– Entlastung des Vorstandes
– Wahl des Vorstandes und der Kassenprüfer
– Satzungsangelegenheiten

Beeindruckende Kundgebung in der Bittermark

In der Dortmunder Bittermark fand am Karfreitag 2017 wieder eine beeindruckende Kundgebung zur Erinnerung an die Dortmunder Opfer der Kriegsendphasenverbrechen statt. Die jährliche Karfreitagskundgebung ist die wohl größte regelmäßige antifaschistische Manifestation in NRW und sah auch diesmal wieder eine starke Jugendbeteiligung. Wir verweisen auf die Berichterstattung der Nordstadtblogger.

 

Die Rede von Ernst Söder, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Sauer,
verehrte Madame Godard,
verehrte Gäste und Freunde aus dem In- und Ausland,
liebe Botschafterinnen der Erinnerung,
meine Damen und Herren!

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Dortmund endete der Zweite Weltkrieg am 13. April 1945 in Dortmund; gestern vor 72 Jahren. Doch die Ermordungswelle in Dortmund, die am 7. März 1945 begonnen hatte, wurde fortgesetzt. Noch am 12. April hatte die Gestapo Gefangene in Hörde hingerichtet. Zwangsarbeiter, Widerstandskämpfer aus sieben Ländern, Deutsche, Polen, Sowjetbürger, Jugoslawen, Belgier, Holländer und Franzosen.

Während der zwölfjährigen Hitlerdiktatur und Gewaltherrschaft kämpften Menschen vieler Nationen für die Zerschlagung des Faschismus und gegen Krieg, für Völkerverständigung und Demokratie. Viele haben dafür ihr Leben lassen müssen. Mit der Niederlegung von Blumen und Kränzen am heutigen Karfreitag  geben wir unserer Trauer einen äußerlichen und festlichen Rahmen. Es ist ein Zeichen des Andenkens, das wir den Ermordeten zum Ausdruck bringen können.

Der im Jahre 1955 verstorbene Dortmunder Schriftsteller Erich Grisar hat in seinem Roman „Cäsar 9“ seine Empfindungen über die Massenexekutionen im Frühjahr 1945 geschildert. Ich möchte sie ihnen einleitend vortragen. Ich zitiere:

„An einem Morgen Ende April 1945 ging das Gerücht, in einem Park am Rande der Stadt habe man die verscharrten Leichen einiger hundert Ermordeter aufgefunden. Eine Lähmung ergriff die Menschen. Die kalte Hand, die so lange an ihrem Hals gesessen, die sie schon nicht mehr gespürt, seit die braunen Uniformen von den Straßen verschwunden waren, griff wieder nach ihnen und würgte sie. In ihrer Mitte war wieder aufgestanden, was sie zwölf Jahre hindurch nicht hatten wahrhaben wollen, was sie selbst in ihren Angstträumen noch verdrängt. Wohl hatten sie mit dem Wort „Gestapo“ immer etwas Schreckliches, jeden freien Willen, jede eigene Meinung Lähmendes verbunden, aber sie waren der Wirklichkeit des Wortes aus dem Wege gegangen. Es war ja immer nur der Nebenmann, der getroffen wurde. So wie der Tod immer nur den anderen trifft.

Hier aber war der Tod nicht als Freund gekommen. Unfrisiert und nackt hatte er seine Opfer in den Tiefen dreier Bombentrichter verscharrt und ohne die Hülle eines prunkvollen Sarges hatte man lose Erde über sie gehäuft. Kein Pomp, kein Stein, kein Schild mit einem Namen. Nur da und dort deutete ein unverhüllt gebliebener Fuß oder eine zur Anklage gehobene Hand an, dass die Erde nicht gewillt war, Kupplerin des Geheimnisses zu sein, das man ihr in allzu großer Eile anvertraut.

Vorüberkommende hatten die Gräber entdeckt. Nun lagen die Toten, die man ausgegraben hat, in langen Reihen neben dem Weg. Männer und Frauen, Gefangene und Soldaten. Kinder selbst waren unter den Opfern. Mit aufgerissenem Mund lagen sie da und mit gebundenen Händen.“

Zweiundsiebzig Jahre sind seitdem vergangen, dass Meuchelmörder der Gestapo und der SS  Männer und Frauen  zu Tode folterten und ermordeten. Hände und Füße wurden den Opfern vor dem Abtransport zu den Todesstätten mit Stacheldraht und Bindedraht gefesselt; ihre Leiber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass die Mehrzahl von ihnen nicht mehr zu erkennen war.

Heute wollen wir erneut an diese Verbrechen erinnern und der Menschen gedenken, die in den letzten Stunden des Zweiten Weltkrieges noch heimtückisch und hinterhältig hingerichtet worden sind, an die Frauen und Männer, deren Lebenswille es war, die Freiheitsrechte zu verteidigen. Sie kämpften gegen die faschistische Diktatur und deren Unmenschlichkeit, und sie waren bereit, sich aufzulehnen und den Mund aufzutun, weil sie nicht schweigen und zusehen wollten, wie in Deutschland Zivilisation und Humanität von den braunen Machthabern in den Dreck gezogen werden.

Was geschah mit den Gestapoverbrechern, die diese Mordtaten ausgeführt haben? Sieben Jahre nach den Ereignissen begann 1952 vor dem Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen die Täter von 1945. 28 ehemalige Gestapobeamte hatten sich zu verantworten. Die Anklage lautete: Aussageerpressung im Amt in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung, dazu Beihilfe zur Tötung. Kurz nach Kriegsende waren zwar einige Gestapo-Männer verhaftet, aber bald wieder freigesetzt worden. Viele Mittäter hatten in den sieben Jahren bis zum Prozessbeginn genügend Zeit, fliehen zu können oder sich einen anderen Namen zuzulegen. Sie blieben unauffindbar.

Fast alle Angeklagten erhielten weniger als drei  Jahre Freiheitsstrafe, und sie behielten ihre bürgerlichen Ehrenrechte. Der Leiter der Mordaktion, Gestapo-Kriminalrat Schmidt, wurde freigesprochen. Schwerwiegende Versäumnisse bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen waren das Ergebnis von bewusst herbeigeführten politischen und juristischen Entscheidungen in den 50er und 60er Jahren und hatten auch Einfluss auf den Rombergpark-Prozess. Die Zurückhaltung bei der Verfolgung von NS-Tätern führte zu einer bemerkenswerten Milde für die Verurteilten.

Ein Gedenktag wie heute, meine Damen und Herren, verpflichtet uns dazu, aus der Vergangenheit zu lernen und Unrecht nicht hinzunehmen. Es genügt nicht, allein die Erinnerung wach zu halten. Tage wie heute sind insbesondere dafür da, zu mahnen und aktiv zu sein, damit sich solche und andere Verbrechen und Grausamkeiten niemals wiederholen. Und es ist notwendig, künftigen Generationen immer wieder vor Augen zu führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat,  die Grundprinzipien mitmenschlichen Umganges missachtete und einem von vielen bejubelten Führer und Diktator Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Einem Führer, der von Größenwahn, Völkermord, Rassenhetze, Vernichtung und Verbrechen gegen das Völkerrecht besessen war.

Wir wollen und können nicht akzeptieren, dass Rassenhetze und Faschismus-Verherrlichung in unserem Land wieder um sich greifen. Neofaschistische Umtriebe und Überfälle dürfen nicht verharmlost, Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und Gewalt müssen bekämpft werden! Und wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Mut machen mir die jungen Botschafter der Erinnerung, die seit vielen Jahren die Gedenkfeiern in der Bittermark mitgestalten und moderieren. Und ich kann dem nur zustimmen, was der Herr Oberbürgermeister vor zwei Jahren an dieser Stelle sagte: „Sie sind unsere Brücke in die Zukunft.“ Liebe Freunde: Respekt für eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz und für die inhaltliche Gestaltung der heutigen Gedenkveranstaltung.

Ein paar Anmerkungen möchte ich noch zu dem kürzlich ergangenen Urteil in Sachen NPD-Verbot machen. Immer wieder haben in der Vergangenheit die Redner hier in der Bittermark und anderswo ein Verbot der NPD und anderer rechtsradikalen Gruppen gefordert. Es war ermutigend, dass der Bundesrat ein Parteienverbot beim Bundesverfassungsgericht beantragt hatte. Leider ohne Erfolg.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Januar 2017 ist allerdings so eindeutig wie vernichtend. Die NPD ist zwar nach Aussagen des Gerichtes verfassungsfeindlich; dennoch wird sie nicht verboten. Das Gericht hält die rechtsextreme und neo-nationalistische Partei nicht für stark und bedeutend genug, um ihre gefährlichen Ziele durchzusetzen. Die Richter nahmen nicht zur Kenntnis, dass die NPD zum Erreichen ihrer Ziele eine Atmosphäre der Angst erzeugt und unter anderem verantwortlich ist für Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und Flüchtlingsheime.

Die Freiheit der Meinungsäußerung in allen Ehren, aber auch Oberste Richter leben nicht in geschichtsfreien Räumen. Und die jüngere deutsche Geschichte ist Mahnung genug! Neonazis entschieden zu bekämpfen – das gilt auch für die Verfassungsjuristen in Karlsruhe! Man darf nicht jede rechtsnationale Meinung gleichwertig einer freiheitlichen demokratischen Meinung betrachten. In einer Demokratie, die ja auch die Lehren aus der Geschichte ziehen will, müssen die Anfänge der Verbreitung faschistischer Gedankenwelten unter Strafe gestellt und verhindert werden.

Denn Faschismus, meine Damen und Herren, ist keine Ideologie. Faschismus ist ein Verbrechen, für das es niemals eine Entschuldigung gibt. Damals wie heute: Nazis sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen!

Mit der Mahn- und Gedenkstätte hier in der Dortmunder Bittermark wurde in internationaler Zusammenarbeit eine würdige und die Menschen bewegende Erinnerungsstätte geschaffen. Die Mahnung, die von hier ausgeht, soll uns die Kraft geben, für ein friedliches Zusammenleben einzustehen. Lassen sie mich zum Schluss die Gedanken einer Urenkelin eines Ermordeten zitieren, die sie in Lippstadt in Erinnerung an die Rombergparkmorde vor einigen Jahren vorgetragen hat:

„Mein lieber Urgroßvater, vor mehr als sechzig Jahren wurdest du in Dortmund erschossen. Zusammen mit vielen Gleichgesinnten, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur gestellt haben. Du musstest sterben, weil den Leben geprägt war durch den Glauben an die Freiheit und Menschlichkeit. Und daran, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und keiner aufgrund seiner Herkunft oder seiner Überzeugung mehr wert ist als ein anderer. Es ist für mich heute schwer zu verstehen, dass es überhaupt so eine Zeit gegeben hat, in der ein Menschenleben so wenig wert war. Du hast für eine bessere Welt gekämpft, für eine Welt, in der deine Nachkommen es besser haben sollten.

In der Schule sprechen wir zur Zeit über diese schrecklichen Ereignisse. Es berührt mich sehr, dass auch du zu den Opfern dieses Terror-Regimes gehörst. Wie gerne hätte ich dich kennengelernt, um meine vielen Fragen beantwortet zu bekommen. Du bist in unserer Familie immer mehr als nur Gesprächsstoff gewesen. Aus den Erzählungen von deinem Sohn, meinem Opa, habe ich viel über dich erfahren, welche Wünsche du hattest und welche Ziele du verfolgt hast. Für das Erreichen dieser Ziele, die dir so viel wert waren, bist du gestorben. Du bist für mich ein Held. Genauso wie die vielen anderen Opfer. Manchmal träume ich von dir. Dann gehen wir zusammen spazieren, und dann erklärst du mir die Welt mit deinen Worten. Das ist für mich eine Welt, in der es sich lohnt, zu leben.“

Legen wir an den Gräbern der Ermordeten ein Bekenntnis ab zu Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern. Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit, für die sie ihr Leben gaben. Denn jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Den Opfern des Faschismus wurde dieses Recht auf grausamste Art und Weise genommen. Stellen wir uns heute denen entgegen, die dieses Recht erneut mit Füßen treten!

Erinnern, Gedenken und Mahnen ist unsere LosungNie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Wehret den Anfängen!