8./9. Mai – Jahrestag des Sieges über den Faschismus

Am 8. Mai (in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion östlich der Datumsgrenze am 9. Mai) wurde und wird noch heute der Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus gefeiert. In einigen Ländern ist es ein arbeitsfreier, gesetzlicher Feiertag, in der BRD noch nicht.

Zeitung Vicotry

Karfreitag 2014

Etwa 1700 Dortmunderinnen und Dortmunder haben am 18. April 2014 an der größten antifaschistischen Manifestation Westfalens, dem Karfreitagsgedenken in der Dortmunder Bittermark, teilgenommen. Das Karfreitagsgedenken erinnert an 300 Zwangsarbeiter und Hitlergegner, die noch in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 in Dortmund von der Gestapo ermordet worden sind. Sie wurden Opfer einer reichsweiten Mordaktion, der im Angesicht des nahen Sieges über den Faschismus noch tausende zum Opfer gefallen sind.

Die Veranstaltung wurde mitgestaltet von den Botschaftern der Erinnerung des Stadtjugendringes. Mitgewirkt haben außerdem Ernst Söder vom Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee, Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau und der Fußballspieler Lars Ricken vom BVB. Der BVB-Fanclub „Heinrich Czerkus“ führte seinen mittlerweile zehnten Heinrich-Czerkus-Lauf vom Stadion zum Kundgebungsort durch.

Das musikalische Programm wurde beigetragen vom Posaunenchor der Vereinigten Kirchenkreise und einem Kinderchor der Dortmunder Chorakademie, der gemeinsam mit dem Publikum das Lied der Moorsoldaten sang.

Mitglieder des FV Steinwache / IRPK haben außerdem auf Kundgebungen in Lippstadt und Lünen gesprochen.

Wir verweisen auf die Berichterstattung und Bilder auf Der Westen.

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Die Rede von Ernst Söder, Vorsitzender des FV Steinwache / IRPK

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau,
liebe BotschafterInnen der Erinnerung,
sehr geehrter Herr Ricken, verehrte Anwesende!

Erneut gedenken wir heute der Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft. Wir erinnern an sie und wir trauern mit den Angehörigen und Hinterbliebenen an die Männer und Frauen, die noch am Ende des Zweiten Weltkrieges von Mörderbanden der Geheimen Staatspolizei ermordet worden sind. Es ist unsere Pflicht und Verantwortung, uns mit dem dunkelsten Kapitel in unserer Stadt heute und in der Zukunft immer wieder auseinanderzusetzen.

Mit der Niederlegung von Kränzen und Blumen geben wir unserer Trauer einen äußerlichen und feierlichen Rahmen. Es ist ein Zeichen des Andenkens, das wir den Ermordeten zum Ausdruck bringen können. Die BotschafterInnen der Erinnerung begleiten meine Ausführungen, die ich heute hier machen möchte, durch selbst erarbeitete szenische Darstelllungen.

Die letzten Kriegswochen im April 1945 waren eine Zeit des Umbruchs, aber auch der Unsicherheiten. Die Menschen schwankten zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Es fehlte an Wohnraum und es fehlten Nahrungsmittel und Kleidung, und die Familien hofften auf die Rückkehr ihrer Väter und Söhne, die in einen sinnlosen Krieg gezogen waren. Viele von ihnen, Hunderttausende, haben die Heimat und ihre Angehörigen nie wiedersehen können.

Die Ereignisse in der Bittermark

Alle Gesetze der Moral und der Menschlichkeit waren in den zwölf Jahren NS-Herrschaft außer Kraft gesetzt, und die tödliche Angst vor der Zukunft trieb in den letzten Tagen des Krieges die faschistischen Tyrannen zu verzweifelten Taten gegen diejenigen, von denen sie glaubten, sie würden sich nach dem Ende des Krieges an ihnen rächen bzw. ihre Taten bestrafen wollen.

Viele Männer und Frauen des Widerstandes und Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich, Jugoslawien, Belgien und den Niederlanden wurden in der Karwoche 1945 verhaftet und in die Kerker der Benninghofer Straße nach Hörde gebracht. Hier war der Sitz der Gestapo, ein Gebäude, an dem niemand ohne Herzklopfen vorbei ging. Wer eine Vorladung dorthin bekam und die Tür durchschritt, die automatisch hinter ihm zuschlug, der wusste oftmals nicht, ob er dieses Haus wieder lebend verlassen würde.

Am 7. März 1945 begann die Entleerung der Keller – ein schauerliches Werk begann, das bis zum 12. April dauerte. Bei Nacht und Nebel wurden die Gefangenen aus den Kellern geführt. Bewaffnete hatten ihre Hände mit Stacheldraht und Bindegrat gefesselt.

Die Fahrt dieser Armseligen brachte sie in den nahen Rombergpark und in die Bittermark, zu ihrer letzten Station. Hier hatten einige verirrte Bomben tiefe Trichter in den Boden gerissen. Ohne Gerichtsurteil ist hier gemordet worden. Von Genickschüssen getroffen stürzten die wehrlosen Opfer in die Erde. Die Henkersknechte der Gestapo erhielten für die Ausführung des Mordbefehls anschließend eine Sonderration Schnaps und Zigaretten.

Ich habe persönliche Erinnerungen an diese Tage. Ich war damals etwas älter als sechs Jahre, als in der Singerhoffstraße in Hombruch, in der ich wohnte, bekannt geworden war, dass ein Nachbar zu den Ermordeten in der Bittermark gehöre. Es war der Bergmann Karl Schwartz, dessen Sohn Walter bei der Suche nach seinem Vater die unmenschlich zugerichteten und erschossenen Menschen gefunden hatte, darunter auch sein Vater, der in einem Bombentrichter lag.

Und ich erinnere mich an die Trauer von Nachbarn, die sich spontan zusammenfanden, vorhandene Blumen in ihren Gärten pflückten, sie vor die Haustüre des Ermordeten legten und einander an den Händen fassend ihre Trauer und ihr Mitgefühl zum Ausdruck brachten. Die Menschen waren verzweifelt, viele weinten und umarmten sich.

Was war geschehen?

„Die Toten im Rombergpark“

Ich zitiere aus dem Roman Cäsar, von Erich Grisar, einem Dortmunder Dichter, der im November 1955 verstarb. „An einem Morgen Ende April 1945 ging das Gerücht, in einem Park am Rande der Stadt habe man die verscharrten Leichen einiger hundert Ermordeter aufgefunden. Eine Lähmung ergriff die Menschen. Die kalte Hand, die so lange an ihrem Hals gesessen, die sie schon nicht mehr gespürt, seit die braunen Uniformen von den Straßen verschwunden waren, griff wieder nach ihnen und würgte sie. In ihrer Mitte war wieder aufgestanden, was sie zwölf Jahre hindurch nicht hatten wahrhaben wollen, was sie selbst in ihren Angstträumen noch verdrängt.

Wohl hatten sie mit dem Wort „Gestapo“ immer etwas Schreckliches, jeden freien Willen, jede eigene Meinung Lähmendes verbunden, aber sie waren der Wirklichkeit des Wortes aus dem Wege gegangen. Es war ja immer nur der Nebenmann, der getroffen wurde. So wie der Tod immer nur den anderen trifft.
Hier aber war der Tod nicht als Freund gekommen. Unfrisiert und nackt hatte er seine Opfer in den Tiefen dreier Bombentrichter verscharrt, und ohne die Hülle eines prunkvollen Sarges hatte man lose Erde über sie gehäuft. Kein Pomp, kein Stein, kein Schild mit einem Namen.

Nur da und dort deutete ein unverhüllt gebliebener Fuß oder eine zur Anklage gehobene Hand an, dass die Erde nicht gewillt war, Kupplerin des Geheimnisses zu sein, das man ihr in allzu großer Eile anvertraut.“

In weiteren Kapiteln schildert Erich Grisar Einzelheiten dieses unmenschlichen Verbrechens, das sich in der Bittermark und im Rombergpark zugetragen hat. So wurde auch Dortmund am Ende des Zweiten Weltkrieges und bei der Befreiung von der Nazidiktatur ein Schauplatz des Massenmordes an deutschen und ausländischen Antifaschisten, Widerstandskämpfern und Zwangsarbeitern aus sieben Nationen. Als die Verbrechen der Gestapo in Dortmund im April 1945 entdeckt wurden, verfielen die Menschen in Trauer und Verzweiflung, aber auch in Wut gegenüber denjenigen, die dafür die Verantwortung trugen.

Die Täter

Erlauben sie mir einige Hinweise zu den Tätern dieses unfassbaren Meuchelmordes im Jahre 1945 und die Frage: Wie wurden diese Mordtaten der Gestapo in der Nachkriegszeit gesühnt? Die Antwort dazu:
Die Täter wurden nicht in dem Maße zur Rechenschaft gezogen, wie es die Angehörigen der Opfer und die Staatsanwaltschaft nach der Befreiung vom Faschismus erhofft und gefordert hatten.

Emil Risse aus Essen, dessen Frau Julie ebenfalls zu den Karfreitagsopfern zählt, schrieb im September 1946 einen Brief an die Staatsanwaltschaft in Dortmund. Er möchte gern wissen, ob denn das furchtbare Verbrechen der Gestapo in Hörde eigentlich nicht gesühnt werde und die Mörder nicht zur Verantwortung gezogen würden. Eine Antwort bekam er nicht.

Es dauerte noch sechs Jahre, bis vor dem Dortmunder Schöffengericht ein Prozess gegen die Täter begann. Die Namen und die Herkunft der Mörder dieses unsagbaren Verbrechens sind nicht unbekannt geblieben, doch nur sehr wenige SS- und Gestapoleute wurden verfolgt und vom Schwurgericht mit Gefängnis bestraft. Manche erhielten erneut Positionen in der Staats- und Justizverwaltung, arbeiteten wieder bei der Polizei und wurden dort aufgrund ihrer Verdienste in höhere Dienstgrade befördert.

Letzteres konnte in Deutschland nicht verhindert werden, die Aufarbeitung der Nazidiktatur nach 1945 – sie ist ja bis heute nicht abgeschlossen – verlief nicht in dem Maße, wie es die Opfer und die Gegner des Faschismus erhofft und gefordert hatten. Mutigen Staatsanwälten und Gerichten wurde häufig die Arbeit erschwert, und die Politik hat sich sehr zurückgehalten und nur dort Präsenz gezeigt, wo es unumgänglich war.

Die insbesondere nach dem Kriege wirkende antikommunistische Doktrin unseres Landes hatte beim Aufbau der Bundesrepublik auch ihre Grundlagen in den personellen Kontinuitäten. In Schlüsselfunktionen in der Justiz, Verwaltung, Politik und beim Aufbau der Bundeswehr mit Personal, das in diesen oder anderen Funktionen schon während der Nazizeit als Fachpersonal tätig war, fanden sich ehemalige Nazis wieder. Dazu gehörten auch Dortmunder Gestapobeamte, die nach 1945 wieder in ihre Positionen als Kriminalbeamte zurückkehren konnten – was zu einer grotesken Situation führte, als der Rombergpark-Prozess vorbereitet wurde: Die Beamten, die hierzu die Vernehmungen durchführten, hatten genauso viele Straftaten begangen wie die von ihnen vernommenen Angeklagten.

Entsprechend dünn und kaum verwertbar waren die Ergebnisse der Verhöre, und entsprechend war die Urteilsfindung beim Rombergpark-Prozess im Jahre 1952. Am 4. April 1952 verkündete das Schwurgericht das von den Dortmundern lang erwartete Urteil.

Von dem Exekutionskommando der Dortmunder Gestapo, das nach Ostern 1945 in alle Welt flüchtete, kamen 1952 lediglich 27 Mörder vor Gericht. 15 von ihnen wurden freigesprochen. „Die Angeklagten hätten nur Befehle ausgeführt“, so der Gerichtsvorsitzende bei der Urteilsbegründung wörtlich, „weil sie unter dem Militärstrafgesetz stehende Personen gewesen seien, denen zudem ein Notstand bei der Befehlsausführung zugebilligt werden müsse.“

Die Richter des Landgerichtes vertraten die Auffassung, die Schuld an den Verbrechen treffe allein den Vorgesetzten, der die Befehle zur Exekution gab. Urteil und Begründung sowie die Berichte von Prozess- und Zeitzeugen bestätigen die Vermutung, dass bei diesem Prozess amtierende ehemalige Nazirichter bei der Strafbemessung gegen die Angeklagten sehr großzügig verfahren sind und die beschuldigten Gestapoleute schonen wollten.

Die Internationale Häftlingsgemeinschaft der 21.000 Überlebenden hat nach ihrer Selbstbefreiung auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald am 19. April 1945 den Schwur abgelegt: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Aufgabe, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Und: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht.“ Dieser Schwur hatte nur wenig Erfolg, denn die Schuldigen haben es – mit Hilfe der Justiz und mit Unterstützung der Politik – verstanden, weitgehend einer Strafverfolgung zu entgehen.

Nach wie vor haben wir allen Anlass, meine Damen und Herren, das dunkelste Kapitel unserer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren, um künftigen Generationen immer wieder vor Augen zu führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat, die Grundprinzipien mitmenschlichen Umgangs missachtete und einem von vielen lange bejubelten Führer Allwissenheit und Allmacht zubilligte.

Wir Jüngeren haben von Zeitzeugen und Überlebenden erfahren, was wir selbst nicht bewusst erlebt haben. Sie haben uns von ihren Erfahrungen erzählt und uns verpflichtet, dass wir wachsam sein und neue Gefahren abwehren müssen. Das tun wir seit langem, und das werden wir auch weiterhin tun, um ihr Vermächtnis an uns zu erfüllen. Und zu diesem Engagement gehört der Kampf gegen jeglichen Rechtsradikalismus, gegen Fremdenhass und gegen den Neofaschismus.

Die demokratischen Kräfte, die in Dortmund seit langem Widerstand gegen die Neonazis und ihre Kameradschaften leisten, werden stärker. Das ist begrüßenswert und macht deutlich, dass die Menschen in unserer Stadt friedlich und ohne Nazis hier leben und wohnen möchten. Wir wollen keine Neonazis, weder in Dorstfeld, noch in Huckarde, noch anderswo, und schon gar nicht am 1. Mai, dem Tag der Arbeit.

Ein Wort zur Gegenwart:

Auch die Erklärung des Bundespräsidenten, dass die Deutschen mehr Verantwortung in der Welt – auch militärische – zu übernehmen hätten, widerspricht dem Inhalt unseres Grundgesetzes, das die Bundeswehr ausdrücklich zu einer Verteidigungsarmee erklärt. Wir wissen nicht, was die Konflikte in der Ukraine, auf der Krim, in Afghanistan und an vielen anderen Orten für Folgen haben werden, auch für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland.

Und ein Letztes:

Am 25. Mai finden in diesem Jahr die Europawahlen und in Nordrhein-Westfalen die Kommunalwahlen statt. Die extreme Rechte und die rechtspopulistischen Parteien werden nicht nur im Internet verstärkt aktiv, sondern auch im Straßen-Wahlkampf. Solange sie nicht verboten und zu den Wahlen zugelassen sind, werden sie neben den Infoständen der demokratischen Parteien öffentlich aktiv und können mit demagogischen und dummen Sprüchen Ängste vor Überfremdung, Sozialabbau, „Ausländerkriminalität“ und Werteverfall schüren.

Dem müssen wir Aufklärendes entgegensetzen und hervorheben, welche Vorzüge ein humanistisches Menschenbild und eine Demokratie haben und welche Werte darin zum Ausdruck kommen. Wo demokratische Rechte abgebaut werden, wird Platz gemacht für faschistische Abenteuer. Wohin uns das führen würde, wissen wir. Was im Rombergpark, und in der Bittermark geschah, darf sich niemals wiederholen.

Und es ist auch in diesem Zusammenhang notwendig, auf die Folgen hinzuweisen, welche die NS-Zeit in Deutschland und in Europa mit Völkerhass, Toten, Vermissten, Zwangsarbeit, Deportation und Vertreibung, unbeschreiblichen Gräueltaten, Verbot von Denkweisen, politische Folgen, zum Beispiel durch die Isolierung Deutschlands , und einem immensen wirtschaftlichen Schaden durch die Kriegskosten zu verantworten hat.

Legen wir an den Gräbern der Ermordeten ein Bekenntnis ab zum Frieden und zu sozialer Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern und den vielen Menschen, die im Widerstand gegen das Nazi-Regime ihr Leben riskierten und verfolgt wurden. Wir werden auch weiterhin aus unserer Geschichte lernen und für die Gegenwart und die Zukunft entschlossen handeln.

Nie wieder!

Erinnern und Gedenken, verehrte Zuhörer, Erinnern als Mahnung zu Toleranz und Weltoffenheit, und das Gedenken an die vielen Millionen Opfer, sollte jetzt und in der Zukunft unser aller Auftrag sein. Wir wünschen uns: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Faschismus ist keine Ideologie, sondern ein Verbrechen. Und Krieg ist kein Mittel, Konflikte zu lösen. Frieden, Freiheit und Menschenwürde sind das Modell einer demokratischen Zukunft.

Ich bedanke mich, dass sie mir zugehört haben.

Karfreitagsveranstaltungen 2014

Gründonnerstag, 17. April 2014
Filmvorführung
„Fritz Bauer – Tod auf Raten“
18 Uhr im Großen Saal der Auslandsgesellschaft (neben der Steinwache)

In Erinnerung an Dr. Fritz Bauer, den ehemaligen Generalstaatsanwalt in Hessen, Chefankläger beim Auschwitz-Prozess 1963-1965. Fritz Bauer ist es zu verdanken, dass der Chef-Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, vor ein israelisches Gericht gestellt werden konnte. Weil er dem deutschen Beamtenapparat, der deutschen Politik und Justiz nicht vertraute, gab Bauer – unter Umgehung des Dienstweges – israelischen Behörden den Hinweis, wo Eichmann aufzufinden sei. Am 11.5.1960 brachte der israelische Geheimdienst Mossad Adolf Eichmann von Buenos Aires nach Israel, wo er angeklagt und verurteilt wurde.

 

Karfreitag, 18. April 2014
10.30 Uhr Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in Brackel
Führung mit Norbert Schilff, Beiträge von Jugendlichen der SJD Die Falken

 

Karfreitag, 18. April 2014, in Lünen
Erinnerung an die aus Lünen stammenden ermordeten Antifaschisten
11 Uhr um Mahnmal im Südpark

 

Karfreitag, 18. April 2014
15 Uhr Gedenken am Mahnmal in der Bittermark
Es sprechen:
Ullrich Sierau, Oberbürgermeister
Ernst Söder, Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee
Moderation: jugendliche Botschafter der Erinnerung

 

Samstag, 3. Mai 2014, 11 Uhr
Gedenken an Bruno Nowak und Karl Altenhenne
11 Uhr am VVN-Gedenkstein an der Rahmer Straße, Dortmund-Huckarde

Verhandeln statt schießen!

Erklärung des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee zur Lage in der Ukraine

Jetzt sind antifaschistische Aktionen nötiger denn je, ebenso Aktionen für den Frieden!

Kommt am Karfreitag in die Dortmunder Bittermark zum Gedenken an die Naziopfer aus Russland, der Ukraine, Polen, Weißrussland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, dem ehemaligen Jugoslawien und Deutschland! Kommt zum Ostermarsch für Abrüstung, Entspannung, Frieden und Demokratie! Kein neuer Kalter Krieg! Verhandeln statt schießen!

Für die in Europa entstandene gefährliche Lage muss eine Verhandlungslösung gefunden werden. Bei solchen Verhandlungen könnten die folgenden Vereinbarungen erzielt werden, wie sie vom Friedensratschlag in Kassel am 9. März 2014 formuliert wurden:

  • Eine Beteiligung rechtsextremer und faschistischer Kräfte an der ukrainischen Regierung ist auszuschließen. Die faschistischen Kräfte in der Ukraine sind zu entwaffnen. Die Morde durch Scharfschützen auf dem Maidan werden von unabhängiger Seite untersucht.
  • Jede einseitige Maßnahme zu weiteren Sezessionen in der Ukraine ist zu stoppen.
  • Die Beziehungen Russlands und der Ukraine sind besonderer Art. Die NATO und EU müssen die Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation genauso ernst nehmen wie die der Ukraine. Die Bündnisfreiheit der Ukraine ist von allen Konfliktparteien zu akzeptieren. Die EU-Assoziierung der Ukraine ist kein Beitrag zur Entspannung.
  • Die ukrainische Übergangsregierung stoppt die Mobilmachung der Streitkräfte und stellt keine neuen auf, die russische Regierung ebenfalls. USA und EU stellen die Sanktionen gegen Russland ein.
  • Russland nimmt die Interventionsdrohung gegen die Ukraine zurück.
  • Sämtliche Rüstungsexporte aus dem EU-Raum nach Russland und in die Ukraine werden gestoppt. Der zivile Handel mit diesen Ländern wird gefördert.

Von der Bundesregierung und den Medien erwarten wir darüber hinaus: Die Beendigung der antirussischen Kampagne, sowie den Stopp des Aufbaus des sogenannten Raketenschirms auf deutschem Boden, den Stopp der Aufrüstung mit Kampfdrohnen und neuen US-amerikanischen Atombomben in Büchel; denn dies kann von Russland nur als Bedrohung betrachtet werden – und auch von uns.

Warum stellen wir diese Forderungen auf? Warum setzen wir uns für sie ein?

Als Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee sind wir besorgt über das Schicksal unserer Mitglieder in der ehemaligen Sowjetunion. Wir sind mit ihnen solidarisch. Wir fürchten um ihre Sicherheit vor den Angriffen rechter Kräfte.

Es ist zu beachten, dass der Konflikt um die Ukraine und die Krim nicht erst mit dem Eingreifen Russlands auf der Krim begann, sondern auf die jahrelangen Versuche des Westens zurückgeht, die Ukraine aus dem Einflussbereich Russlands herauszulösen und den Marktbedingungen der Europäischen Union wie dem Militärkonzept der Nato unterzuordnen. Inzwischen haben in Kiew rechte Politiker, darunter eine profaschistische Clique, Zugang zu Regierungsposten bekommen, ohne dass „der Westen“ irgendwelche Einwände erhob. Die von der Bundesregierung hochverehrte Frau Timoschenko von der der Regierung angehörenden „Vaterlandspartei“ rief dazu auf, Russland zur verbrannten Erde zu machen und die Russen auszulöschen.

Mit großer Sorge wird von uns die innenpolitische Entwicklung in der Ukraine gesehen, die es – mit massiver Unterstützung aus dem Westen – rechtsextremen, antisemitischen und faschistischen Gruppierungen wie „Svoboda“ oder den „Rechten Sektor“ ermöglicht hat, zu Wortführern auf dem Maidan zu werden und Schlüsselpositionen in der „Übergangsregierung“ zu besetzen.

Wir stimmen dem Friedensratschlag zu, der daran erinnerte: „Der rechten Übergangsregierung wird finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe versprochen. Bei so viel politisch-moralischer Verkommenheit muss man zum Schluss kommen, dass sich die EU-Außenpolitik längst nicht mehr von ihren eigenen hehren Prinzipien der Demokratie, Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit, sondern von purer Macht- und Interessenpolitik leiten lässt.“

Alle Gremien der Friedensbewegung lehnten die Abtrennung der Krim von der Ukraine als völkerrechtswidrig, der UNO-Charta widersprechend, ab. Allerdings wird darin erkennbar, wie verheerend die westlichen Vorbilder für ein derartiges Vorgehen Russlands wirken. Vor 15 Jahren haben die NATO und damit Deutschland Serbien völkerrechtswidrig mit Krieg überzogen und die völkerrechtswidrige Abtrennung des Kosovo eingeleitet. Während über 3000 unschuldige Menschen in Serbien dem Bombardement zum Opfer fielen, hat Russland bisher kein Blutvergießen verübt. Wir appellieren an Russland und alle am Konflikt Beteiligten:

Keine Gewalt! Reden ist besser als schießen.  Rücknahme des russischen Gesetzes, überall zu intervenieren wo angeblich russische Personen bedroht sind.

Und wir betonen: Es gibt kein Recht auf eine „humanitäre Interventionen“ wie sie nun wieder drohen. Die Friedensbewegung hat oft genug gegen so oder ähnlich begründete Militäraktionen Position bezogen (z.B. NATO-Krieg gegen Jugoslawien, Afghanistan-Krieg, Irakkrieg, Luftkrieg gegen Libyen, Frankreichs Krieg in Mali).

Wir stimmen ausnahmsweise den ehemaligen Bundeskanzlern Gerhard Schröder und Helmut Schmidt sowie dem ehemaligen Bundesminister Erhard Eppler zu, die die aktuelle antirussische Kampagne verurteilten sowie Sanktionen gegen Russland ablehnten.

Wir erinnern an das Wort des verstorbenen ehemaligen Kanzlers Willy Brandt: „Der Friede ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Eppler sagte: „Kein russischer Präsident würde geduldig dabei zusehen, wie eine eindeutig antirussische Regierung in Kiew versucht, die Ukraine in Richtung Nato zu führen. (…) In der ukrainischen Regierung sitzen nun Rechtsradikale. Bei uns redet aber niemand darüber. Da erklärte einer der ganz Rechten, sie seien der harte Kern der Aufstandsbewegung gewesen, und nun gingen sie nicht nach Hause, ehe ihre Leute in der Regierung seien. So ist es auch gekommen.“

Aber das darf nicht so bleiben! Auf die Straße für den Frieden! Für die Demokratie. Gegen die Nazis bei uns und in ganz Europa! Auf zu den Gedenkveranstaltungen, auf zum Ostermarsch 2014!

Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee

Cornelis van Tongeren verstorben

Am 23. Dezember 2013 verstarb kurz nach seinem 74. Geburtstag  unser Freund Cornelis van Tongeren aus Uitgeest/Niederlande. Cornelis kam seit vielen Jahren jährlich mit seiner Ehefrau zum Karfreitagsgedenken nach Dortmund. Sein Vater war von den Nazis zur  Zwangsarbeit ins  Konzentrationslager nach Neuengamme verschleppt worden. Seine Heimat hatte er nicht wiedersehen dürfen.

Cornelis, von seinen Freunden „Co“ genannt, hat die Zusammenkünfte des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / IRPK durch seine interessanten und engagierten Beiträge bereichert und uns viel über den antifaschistischen Widerstand in den Niederlanden erzählt, so im letzten Jahr über Hannie Schaft, das „Mädchen mit dem roten Haar“.

Das Foto zeigt Co (2. v. r.) mit seiner Frau Jane (Mitte) am Karfreitag in der Bittermark. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Er wird uns unvergessen sein.

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Wie war das eigentlich, Heiner Halberstadt?

Vortragsveranstaltung am 7. November 2013

Heiner Halberstadt, 1928 geboren, hat die Reichspogromnacht als Kind in Dortmund miterlebt. Heute wohnt er in Frankfurt. Wir haben ihn als Zeitzeugen eingeladen, um uns von seinen Erlebnissen in den 1930er und 40er Jahren, von den Nazi-Verbrechen in Dortmund, zu berichten.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in vielen Orten des damaligen Deutschland die Synagogen. Der 9. November ist der  Tag, an dem organisierte Schlägertrupps der Nazis jüdische Geschäfte in Brand setzen. Es ist der Tag, an dem Tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht war ein Signal zum größten und schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

Donnerstag, 7. November 2013, 18.30 Uhr, Raum V1 in der Auslandsgesellschaft Dortmund, Steinstraße 48 (an der Steinwache)

Eine Kooperationsveranstaltung des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee e.V. mit dem Bündnis Dortmund gegen Rechts und der VVN-BdA

Internetseite von Heiner Halberstadt

Wikipedia über Heiner Halberstadt

 

Hinweis
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Delegation aus Dortmund besucht Gedenkveranstaltung in Stukenbrock

Gruppenbild in Stukenbrock 2013Anlässlich des Antikriegstages legten Mitglieder des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee am sowjetischen Ehrenmal in Stukenbrock ein Blumengebinde nieder. Das Ehrenmal erinnert an 65.000 Kriegsgefangene und Zwangsverschleppte, die zwischen 1941 und 1945 hier begraben wurden.

Wikipedia zum Stammlager VI K (326) in Stukenbrock

Antikriegstag bei der Steinwache: Entschiedene Absage an Militarismus und Krieg

AntikriegstagDie Dortmunder Steinwache sah am heutigen Internationalen Antikriegstag eine sehr lebendige Gedenkveranstaltung des DGB und seiner Partner. Mit entschiedenen Absagen an Krieg, Bundeswehreinsätze im Ausland, militärische Rüstung und Bundeswehrwerbung in unseren Schulen.

Das Kulturprogramm gestalteten der Dortmunder Liedermacher Fred Ape mit eigenen und traditionellen Friedensliedern und eine Dortmunder Falkengruppe mit Arbeiterjugendliedern.

Am Schluss gab es einen außerordentlich interessanten Vortrag des Arbeitskreises schwule Geschichte des SLADO, eine Kranzniederlegung und Gedenkminute. Die Veranstaltung war nicht ganz so gut besucht wie in den letzten Jahren, obwohl sie es aufgrund des Programms sehr verdient gehabt hätte.

Einige der heutigen Reden werden wir in Kürze hier veröffentlichen.

Berichterstattung der Nordstadtblogger