Mitgliederversammlung 2015

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee findet statt am Samstag, dem 12. September 2015, um 10 Uhr in der Auslandsgesellschaft.

Gedenken in Stukenbrock am 5. September

Mitglieder unseres Fördervereins legten bei der Gedenkfeier im ostwestfälischen Stukenbrock einen Kranz nieder. Anlass ist die Erinnerung an die von den Faschisten im dortigen „Stalag 326“ ermordeten 65.000 sowjetischen Kriegsgefangenen.

In Stukenbrock wird die Erinnerungsarbeit vom Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock getragen.

Das Foto zeigt die Dortmunder Gruppe gemeinsam mit dem Hauptredner Hans Coppi aus Berlin am Obelisk auf dem Ehrenfriedhof.

Stukenbrock 2015

Karfreitag 2015: Mehrere Tausend Dortmunder gedenken der Opfer der Karfreitagsmorde

Bittermark 2015 ZuschauerBis zu 3000 Dortmunderinnen und Dortmunder gedachten am Karfreitag 2015 der 300 Antifaschisten und Zwangsarbeiter, die in der letzten Phase des Krieges in Dortmund von den Faschisten ermordet worden sind. Allein der Czerkus-Lauf vom Stadion zur Bittermark soll in diesem Jahr bis zu 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehabt haben.

Wir verweisen auf die Berichterstattung auf

Der Westen

und

Nordstadtblogger.

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Die Rede von Ernst Söder, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee

(Anrede)

In der Rückschau der vor 70 Jahren in Dortmund verübten Verbrechen der Nationalsozialisten möchte ich meine Ausführungen mit  einem Gedicht einleiten, das die in Dortmund einst lebende und wirkende jüdische Schriftstellerin Lotte Temming  im Jahre 1950, in Erinnerung an die Karfreitagsmorde, unter dem Titel „Unseren Toten zum Gedächtnis“  geschrieben hat:

Misshandelt, geschlagen, in Qual und Weh,
getreten, gequält und geschändet,
so seid ihr für eure, für unsre Idee
durch Mörderhand geendet.

Sie haben euch mit sadistischer Wut
gequält, misshandelt, geschlagen.
Ihr habt es mit heldischem Opfermut
für eure Idee ertragen.

Die Kerkerzellen hallten bei Nacht
von euren Schmerzensschreien.
Wir wussten, ihr wart in der Henker Macht,
und konnten euch nicht befreien.

Ihr habt gehungert, ihr habt gedarbt,
man hat euch alles geraubt.
Ihr habt bis zuletzt noch, als ihr starbt,
an unsre Idee geglaubt.

Und diese Idee, das schwören wir euch,
für die euer Herzblut geflossen,
wird weiter getragen ins neue Reich
von jungen und tapferen Genossen.

Die Fackel, die ihr mit heldischem Mut
getragen durch Tod und Nacht,
durch die ihr mit eurem eigenen Blut
den Brand der Empörung entfacht.

Die Fackel, die ihr mit mutiger Hand
durch Nacht und Tod getragen,
bis man euch hingemordet fand, 
zerschunden und erschlagen.

Die Fackel, sie leuchtet durchs ganze Land!
Ihr seid nicht vergebens gefallen!
Die Fackel, entfallen der sterbenden Hand,
wird zur Verpflichtung uns allen.

Nicht zuletzt sagen uns diese Verse, mit welcher Brutalität die  Menschen von der Gestapo vor 70 Jahren misshandelt und ermordet worden sind. Darum ist es notwendig, das dunkelste Kapitel unserer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Künftigen Generationen müssen wir  immer wieder vor Augen führen, wo es schon einmal  geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat und die Grundprinzipien mitmenschlichen Umgangs missachtete – und einem von vielen bejubelten Führer und Diktator Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Einem Führer, der von Größenwahn, Völkermord, Rassenhetze, Vernichtung und Verbrechen gegen das Völkerrecht besessen war.

Mit der Mahn- und Gedenkstätte hier in der Dortmunder Bittermark wurde in internationaler Zusammenarbeit eine würdige und die Menschen bewegende Erinnerungsstätte geschaffen. Die Mahnung, die von hier ausgeht, soll uns die Kraft geben, alles, aber auch alles dafür zu tun, dass sich derartige Verbrechen niemals wiederholen, wie sie sich hier in den Wäldern der Bittermark und anderswo in Europa ereignet haben.

„Nie wieder Faschismus!“, meine Damen und Herren. Und da gibt es auch kein Pardon. Faschismus ist keine Gesinnung und auch kein Glaubensbekenntnis. Faschismus ist eine als Ideologie heruntergebrochene Form des Verbrechens. Und wer immer so tut, als ob man das verniedlichen könnte, dem sage ich: „Hört auf damit!“

Leider sind rechte Gesinnungen noch lange nicht Geschichte. Die Wahlerfolge rechtsradikaler Parteien in Europa und die Demonstrationen von PEGIDA und anderer nationalistisch gesonnener Gruppierungen zeigen, dass Feindseligkeit und Ausgrenzung immer noch tief in der Mitte unserer Gesellschaft verankert sind.

Dem müssen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln entgegentreten. Denn wir stehen für eine demokratische und tolerante Welt, in der Rassismus, Fremdenhass und Vorurteile keinen Platz haben.

Inzwischen erleben wir es allerdings anders, tagtäglich in unserer Stadt: Woche für Woche zündet der braune Mob eine neue Eskalations-Stufe seiner Naziprovokationen. Was sich zum Beispiel in Dortmund in den vergangenen Monaten abgespielt hat, ist eine unerträgliche Kampagne einer Clique von einigen Dutzend Nazis. Ihnen gelingt es, Dortmund Woche für Woche bundesweit in den braunen Dreck zu ziehen. Und der Staat sieht hilflos zu. Jedenfalls ist das der Eindruck, der unter den Antifaschisten entstanden ist.

Die Antworten auf diese Erscheinungen sind relativ klar: Verbot der neofaschistischen Kameradschaften, Verbot der NPD, Verbot der Partei „Die Rechte“ und ein staatliches Vorgehen gegen den rechten Terror – und nicht sein Decken durch Verfassungsschutzorgane. Ich weiß sehr wohl, dass damit die Ausbreitung des neonazistischen und antisemitischen Gedankenguts allein nicht gelöst ist.

Aber: Wir wollen und können nicht akzeptieren, dass Rassenhetze und Faschismus-Verherrlichung in unserem Land wieder um sich greifen. Neofaschistische Umtriebe, Überfälle und Bedrohungen, wie sie sich in letzter Zeit zugetragen haben, können nicht verharmlost werden.

Und es ist an der Zeit, dass auch einmal die Justiz beginnt, ihr Verhältnis zu Freiheit und Demokratie gemäß dem Grundgesetz auch geistig zu ordnen. Es ist ein Unding, unter dem Recht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit aus juristischer Sicht zu erlauben, jede rechte Truppe könne sich zusammenrotten und menschenverachtende Parolen von sich geben.

Und es ist ein Unding, dass man schlicht und ergreifend so tut, als ob jede rechtsnationale Meinung gleichwertig einer freiheitlichen demokratischen wäre! In einer Demokratie, die ja auch die Lehren aus dem Faschismus ziehen wollte, muss man sagen: Es gibt Anfänge der Verbreitung faschistischer Gedankenwelten, die man schlicht und einfach unter Strafe stellen und verhindern muss! Auf gar keinen Fall darf man immer wieder die Polizei dazu bringen, dass sie so etwas auch noch beschützen muss!

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Faschismus ist nach  1945 eine Generation herangewachsen, die das Geschehen in der Zeit des Nazi-Terrors nicht aus eigenem Erleben kennt. Sie trägt jedoch die Verantwortung dafür, was künftig in unserem Land geschieht.

Mut machen mir die jungen BotschafterInnen der Erinnerung, hier in Dortmund, die  auch in diesem Jahr wieder die Gedenkfeier mitgestalten. Und ich kann dem nur zustimmen, was der Herr Oberbürgermeister in seiner Begrüßung zum Ausdruck brachte: „Sie sind unsere Brücke in die Zukunft.“ Auch von mir, von uns, Respekt für eure Aktivitäten und herzlichen Dank für das inzwischen seit vielen Jahren bestehende, erfolgreiche Engagement.

Folgen wir der Aussage des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der in seiner bekannten Rede am 8. Mai 1985 sagte: „Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen. Jüngere und ältere müssen und können sich gegenseitig helfen zu verstehen, warum es lebensnotwendig ist, die Erinnerung wachzuhalten.

Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Und weiter: „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

Niemals vergessen, was vor siebzig Jahren geschah! Erinnern und Gedenken! Nie wieder Krieg, das soll unsere Losung sein! Vor uns liegt ein langer Weg. Ich hoffe und wünsche mir, ein Weg des Friedens, der Toleranz und der freundschaftlichen Verständigung unter den Menschen. Ich verneige mich vor den Opfern und danke ihnen meine Damen und Herren, für ihre Aufmerksamkeit.

 

Die Rede des Fördervereins Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee auf der Gedenkkundgebung im Südpark, Lünen, am 3. April 2015

Liebe Anwesende, sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Katrin Rieckermann. Ich bin Mitglied im Förderverein Steinwache in Dortmund und ich möchte mich für die Einladung, hier zu sprechen, herzlich bedanken.

Zunächst einmal möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass heute so viele Menschen gekommen sind, um sich an die Ereignisse vor 70 Jahren, an das, was in den letzten Kriegstagen 1945 geschehen ist, zu erinnern.

In Lünen gab es vielfältigen Widerstand gegen den Faschismus. Mitglieder der SPD und der KPD, der Kirchen sowie viele Unorganisierte zeigten ihre Gegnerschaft zum Hitlerregime. Nicht wenige bezahlten ihre Überzeugung mit Arbeitslosigkeit, Folter, der Haft in Konzentrationslagern oder dem Tod.

Was aber geschah kurz vor Kriegsende 1945?

Vom 8. März bis zum 12. April 1945 fanden im Rombergpark und in der Bittermark in Dortmund Massenerschießungen statt, bei denen fast 300 Menschen verschiedenster Nationalitäten den Tod fanden.

Unter ihnen waren auch sechs Lüner Kommunisten, von denen fünf am 30. März, also dem Karfreitag 1945, verhaftet und kurz darauf von der Gestapo und SS erschossen wurden. Johann Berg, Jakob Bink, August Dombrowski, Bernhard Höltmann und Johann König fanden sich unter den Ermordeten. Josef Kriska wurde am Ostersonntag 1945, dem 1. April, nach schweren Misshandlungen im Gestapo-Gefängnis Dortmund-Hörde erschossen.

Heutzutage fällt es schwer, sich vorzustellen, was es bedeutete, sich konsequent gegen die Nazis zu stellen und seiner politischen Überzeugung treu zu bleiben. Ich möchte hier stellvertretend für alle Ermordeten vorlesen, was Fredy Niklowitz vom Stadtarchiv über Jakob Bink schreibt: Der Maurer Jakob Bink, geboren am 5. Juni 1886 in Roßrechtenbach bei Wetzlar, war mit Hedwig Köchling verheiratet hatte fünf Kinder. Seit 1919 war er Mitglied und Funktionär der KPD. 1923 und 1927 wurde er zum Stadtverordneten gewählt.

Am 23. März 1933 wurde Jakob Bink festgenommen und in das Polizeigefängnis Lünen eingeliefert. Anschließend saß er im Gerichtsgefängnis Lünen und in der Strafanstalt Werl ein, aus der man ihn am 17. Juli 1933 entließ. Danach war Jakob Bink erneut vom 7. Dezember 1935 bis zum 16. Juni 1938 sowie vom 25. Juni 1938 bis zum 19. April 1939 in verschiedenen Polizei-, Gerichtsgefängnissen und Konzentrationslagern – darunter Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald – in Haft. Vom Sondergericht Dortmund war er am 29. Juli 1936 wegen „hetzerischer Äußerungen“ zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden.

In den Zwischenzeiten hatte Jakob Bink sich einmal täglich, manchmal sogar zweimal täglich, bei der Polizei melden müssen. Auch gehörte er noch bis 1939 zu den Arbeitslosen in Lünen. Selbstbewusst soll er keinen Hehl aus seiner antinationalsozialistischen Gesinnung gemacht haben. So soll er zu denen gehört haben, die „über den Bock gingen“, das heißt, dass die SS gegen ihn die Prügelstrafe anordnete, bei der Jakob Bink die Peitschenschläge (meist 25) mitzählen musste. Von Zeitzeugen wurde er als der „Eiserne Jakob“ bezeichnet. Am 30. März 1945 wurde Jakob Bink von der Gestapo festgenommen, mit Wirkung vom 20. April 1945 für tot erklärt. Er wurde 49 Jahre alt.

Warum kam es zu diesen Verbrechen gegen Nazigegner und auch gegen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, angesichts des unmittelbar bevorstehenden Endes des Faschismus? Es lassen sich unterschiedliche Erklärungen finden. Zum einen versuchten die Nazis sicherlich, sich angesichts der zusammenbrechenden Kriegsfronten an den politischen Gegnern, die die Niederlage herbeisehnten, zu rächen.

Auch liegt die Vermutung nahe, dass die Faschisten unliebsame Zeugen ihrer Verbrechen noch im letzten Moment beseitigen wollten. Nicht zuletzt wird angenommen, dass diejenigen, die eine andere, eine bessere Welt aufbauen wollten, mit in den Untergang genommen und an der Verwirklichung ihrer politischen Überzeugung gehindert werden sollten.

Ist den Faschisten dies gelungen? Wir stehen hier gemeinsam und gedenken der Opfer – auch 70 Jahre nach den Verbrechen. In Lünen gibt es ein starkes Engagement gegen Rassismus und Neonazis. Der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus wurde ins Leben gerufen und bietet verschiedene Aktivitäten und Programme gegen Rechts an. Dies sind positive Zeichen.

Andererseits wissen wir, dass sich eine radikalisierte und gewalttätige rechte Szene in Dortmund etabliert und verfestigt hat. Dass es sich hier nicht um eine Ausdrucksform politischer Meinungsfreiheit handelt, sondern um eine braune Mörderbande, zeigt die Tatsache, dass in den vergangenen fünfzehn Jahren in Dortmund fünf Menschen von Neonazis ermordet wurden. Hinzu kommen Denunziationen, Verunglimpfungen, Einschüchterungen, Körperverletzungen und Morddrohungen, die zum Alltag geworden sind.

Neonazis aus Lünen, die mit ihren Gesinnungs-T-Shirts, Abzeichen, Tattoos und Aufklebern in das Stadtbild hineinwirken, unterstützen ihre Nazifreunde in Dortmund tatkräftig bei Gewaltakten und Aufmärschen. Ihre Losungen sind: „Heimreise statt Einreise“ oder „Nie wieder Krieg – nach unserem Sieg“.

Hier stellt sich die Frage, was wir den am Karfreitag 1945 Gemordeten schuldig sind. Die Aufklärung über alte und neue Nazis gehört dazu. Dem braunen Mob darf nicht die Straße überlassen werden. Nicht am vergangenen Wochenende in Dortmund-Huckarde und nicht am 1. Mai in Dortmund, an dem die Neonazis zu einem „Nationalen Tag der Arbeit“ aufrufen.

Wir verlangen die konsequente Bestrafung der rechten Straftäter in Dortmund. Ihre Organisationen müssen verboten werden, ob es sich nun um rechte Kameradschaften oder die neue Partei „die Rechte“ handelt. Die Losung der damaligen Nazigegner: „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ ist heute, 70 später, aktueller denn je.

In Buchenwald, dem KZ, in dem auch Jakob Bink zeitweise inhaftiert war, schworen die überlebenden Häftlinge nach der Befreiung: „ Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Dies sind bleibende, dringliche Aufgaben.

Heute im Sinne der Opfer handeln! Abschluss-Erklärung zum Gründonnerstag 2015

Jahr für Jahr wird in Dortmund am Gründonnerstag und Karfreitag der Opfer der Kriegsendphasenverbrechen in den Wochen vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 13. April 1945 gedacht. In diesem Jahr wurde nach 70 Jahren das gesamte Vorgehen der Nazis im Frühjahr 1945 in den Blick genommen.

Ernst Soeder (Gewerkschaftssekretär a.D. und Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache/Internat. Rombergparkkomitee) und sein Stellvertreter Norbert Schilff (SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat) konnten 50 Vertreter aus Städten mit Kriegsendopfern begrüßen. Sie kamen aus den Niederlanden und aus Deutschland, u.a. aus Amsterdam, Dortmund, Bochum, Essen, Meschede/Sauerland, Oberhausen, Penzberg/Oberbayern, Wuppertal.

Michael Hermes präsentierte eine neue Dokumentation über Kriegsendphasenverbrechen im Sauerland, und Markus Günnewig vom Stadtarchiv Dortmund sprach über die Endphasenverbrechen im Reich und speziell in Dortmund. Ulrich Sander (VVN-BdA-Bundessprecher) schlug eine Abschlusserklärung vor, der zugestimmt wurde:

Vierzehn junge Widerstandskämpfer, Matrosen, wurden am 5. Mai 1945 im bereits von Briten besetzten Schleswig-Holstein erschossen. Sie hatten sich, geleitet von Heinrich Glasmacher, einem jungen Katholiken aus Neuss, geweigert, noch einmal in den Einsatz gegen die Russen zu gehen. Ihre Mörder waren später hohe Offiziere der Bundeswehr.

Hunderte Zwangsarbeiterinnen von Krupp/Essen hatten die Nazis kurz vor Ende des Krieges nach Bergen-Belsen abgeschoben, wo viele von ihnen das Schicksal Anne Franks erlitten. In Lüdenscheid/Hunswinkel wurden unzählige Kölner, darunter Zwangsarbeiter, noch im März 1945 ermordet. Unzählige Häftlinge starben auf Todesmärschen und als sogenannte Deserteure. Darüber und über das, was aus den Hinterbliebenen und Tätern wurde, haben wir am 2. April 2015 im Dortmunder Rathaus beraten.

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Dortmunder Karfreitagsmorde veranstaltete der Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee e.V. ein Zusammentreffen mit Personen, die über Erinnerungen an die Kriegsendphasenverbrechen vom Januar bis Mai 1945 Aussagen treffen können.

Verbrechen in der Kriegsendphase gab es nicht nur in Dortmund und im Ruhrgebiet, sondern im ganzen „Deutschen Reich“. Und es waren nicht nur von der Gestapo ausgeführte Massaker, sondern auch Mordaktionen der Hitlerjugend und anderer NSDAP-Mitglieder. Die Opferzahlen von Massenhinrichtungen, Menschenjagden, Todesmärschen und Erschießungen von Deserteuren gehen in die Hunderttausende.

Unser Treffen war das erste dieser Art ohne Zeitzeugen aus der Opfergeneration. Es war ein Beispiel dafür, wie wir künftig unsere Erinnerungsarbeit bewältigen. Wir führten uns vor Augen, was die Opfer bewegte, die eine Zeit des Friedens und der Freiheit nicht mehr erleben durften. Wir müssen uns erinnern, was sie uns für das Heute zu sagen haben, da rechte Kräfte in Europa wieder aktiv werden und sogar ein Krieg auf europäischem Boden droht. Ihrem Auftrag „Nie wieder!“ sind wir verpflichtet.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Erinnerungstreffens am 2. April 2015 im Dortmunder Rathaus

„Unsere Opfertat verjährt nicht.“ Bürger aus Russland, überlebende NS-Opfer, schreiben an die deutsche Jugend

Die Tagung zu 70 Jahren Kriegsendphasenverbrechen, veranstaltet im Rathaus Dortmund vom Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee, erreichte eine Botschaft der Veteranen im Russischen Verband minderjähriger Häftlinge faschistischer Konzentrationslager. In Zeiten dramatischer Ereignisse, welche die Errungenschaften verbesserter Beziehungen überschatten, falle den Angehörigen der neuen Generation der Deutschen die Aufgabe zu, die freundschaftlichen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland dennoch weiter zu entwickeln und zu festigen. So heißt es in dem Schreiben, das über die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft nach Dortmund gelangte.

Der Brief im Wortlaut:

„Unsere Opfertat verjährt nicht“ – Appell von Bürgern der Russischen Föderation, ehemaligen Nazi-Opfern, an die deutsche Jugend

Liebe Freunde,

wir haben im Kindesalter unsägliche Grausamkeit, Ausbeutung, Vernichtung, Sklaverei und Trauer um uns nahe stehende und teure Menschen erfahren. Als letzte Zeugen und widerwillige Teilnehmer und Opfer jenes Krieges, haben wir unser Leben lang die Erinnerung an jene schreckliche Zeit und die uns zuteil gewordenen Prüfungen bewahrt.

Im Vorfeld des 70. Jahrestags des Sieges über den deutschen Faschismus ergeht an euch dieser Appell ehemaliger minderjähriger Gefangener von Konzentrationslagern, Ghettos und anderen Zwangsaufenthaltsorten, die von den Faschisten und deren Verbündeten im Zweiten Weltkrieg geschaffen wurden.

Jener vom Hitlerregime angezettelte Krieg brachte großes Unglück über die Sowjetunion und die Völker Europas. Faschismus und Krieg waren aber auch eine Tragödie für das deutsche Volk. Wir erinnern uns daran, dass deutsche Bürger, deutsche Antifaschisten die ersten Häftlinge von Buchenwald, Dachau und anderen Konzentrationslagern waren.

Der heimtückische Einfall der faschistischen deutschen Heere und deren Verbündeter in unser Land verursachte viel Leid, Zerstörungen und menschliche Verluste. Doch der Krieg kam später auch auf deutschen Boden. Mit eigenen Augen haben wir die Ruinen deutscher Städte und das Leid einfacher deutscher Bürger gesehen. Wir wissen, wie schmerzlich das deutsche Volk für das büßen musste, was der Nationalsozialismus angerichtet hatte. Es musste die Verantwortung für die Untaten des verbrecherischen Hitlerregimes übernehmen.

In der Nachkriegszeit sind in Deutschland, Russland und den anderen europäischen Ländern neue Generationen herangewachsen, denen die tragische Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus Büchern und Augenzeugenberichten überliefert ist.

Der Sieg über den deutschen Faschismus und in besonderem Maße das Ende des kalten Krieges haben nicht nur die politische Karte, sondern auch das moralische Klima in Europa und in der Welt verändert. Wir wissen die neuen gutnachbarlichen und vertrauensvollen Beziehungen, die sich zwischen unseren Ländern herausgebildet haben, und die Möglichkeit der Kommunikation, insbesondere zwischen unseren jungen Generationen, hoch zu schätzen.

Wir möchten Euch versichern, dass wir, die wir den Krieg erlebt und die Vollstrecker des bösen Willens des besessenen Führers verflucht haben, keinen Hass gegen das ganze deutsche Volk hegen und erst recht nicht gegen euch, die junge Generation. Zu Dank verpflichtet sind wir jenen deutschen Bürgern, die uns in den schweren Kriegsjahren nach Kräften geholfen und mit Risiko für ihr Leben vor dem Tod bewahrt haben. Anerkennung zollen wir Vertretern eurer älteren Generation, den deutschen Patrioten und Antifaschisten.

Wir gedenken in Ehren der mutigen deutschen Antifaschisten, die in den Reihen der Roten Armee und bei den Partisanen gekämpft haben. Unvergessen bleiben uns die in der Untergrundgruppe Weiße Rose wirkenden Studenten der Münchner Universität, darunter Alexander (Schmorell) von München, der vom Erzbistum von Berlin und Deutschland der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland als Neumärtyrer heiliggesprochen wurde. Bekannt sind uns auch die Namen anderer deutscher Widerstandskämpfer, darunter der letzte deutsche Vorkriegsbotschafter in der UdSSR, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Wir sind jenen zu Dank verpflichtet, die es verstanden haben, die Gräber unserer in der faschistischen Gefangenschaft ums Leben gekommenen und in deutscher Erde bestatteten Landsleute zu erhalten. Wir sind den deutschen Studenten und Schülern verbunden, die diese Gräber pflegen. Euch, Angehörigen der neuen Generation der Deutschen, fällt die Aufgabe zu, die freundschaftlichen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen unseren Ländern weiter zu entwickeln und zu festigen.

Zum großen Bedauern sind die letzten Monate vor dem Jubiläumstag des Sieges über den deutschen Faschismus von dramatischen Ereignissen in Europa und im postsowjetischen Raum überschattet, von den Terrorakten in Frankreich, bewaffneten Auseinandersetzungen und dem brudermörderischen Krieg in der Südostukraine. Wieder fließt Blut und sterben friedliche Bürger und Kinder.

Schwer vorhersehbar ist, welche neuen Probleme und welche neuen moralischen Prüfungen auf eure Generation zukommen. Wir wollen aber glauben, dass die dramatischen Erfahrungen aus der Vergangenheit und die tragischen Ereignisse von heute euch die Weisheit vermitteln, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Das Böse ist leider nicht verschwunden, es nimmt nur neue Formen an: als Neofaschismus, Nationalismus, religiöse und rassische Intoleranz.

Wir alle sind Zeugen, dass heute auch versucht wird, die Geschichte zu verfälschen. Wir möchten glauben, dass Ihr, Angehörige der jungen Generation, es verstehen werdet, den antihumanen Ideen und Provokationen der fanatischen Extremisten Widerstand zu leisten, dass Eure Kinder und Enkelkinder sich niemals für eure Taten schämen und büßen müssen.

Wir sind überzeugt, dass es keine Probleme zwischen den Völkern gibt, die sich nicht auf friedlichem Wege lösen lassen. Deshalb appellieren wir an die deutsche und die russische Jugend, an alle jungen Menschen der Erde, sich zusammenzuschließen, um gemeinsame internationale Programme und Projekte hervorzubringen, die darauf abzielen, Eintracht zwischen den Völkern herzustellen, den Frieden zu festigen, die gegenseitige kulturelle und geistige Bereicherung zu erweitern, die Traditionen und nationale Eigenart der Völker zu respektieren, Frieden und Zusammenarbeit zu fördern. Damit unsere Völker nie wieder aufeinander schießen.

Wir Angehörige der älteren Generation, die die Tragödie des Zweiten Weltkrieges erlebt hat, hinterlassen Euch, den jungen Generationen Deutschlands, Russlands und der anderen Länder Europas Frieden, gegenseitiges Verstehen und Freundschaft, die von uns unter immensen Anstrengungen herbeigeführt werden konnten. Möge die Anrede „Liebe Freunde“ für lange Friedensjahre ein aufrichtiger Ausdruck des Verhältnisses zwischen Euch bleiben.

Veteranen der Allrussischen Gesellschaftlichen Organisation Russischer Verband minderjähriger Häftlinge faschistischer Konzentrationslager, 119019 Moskau, Gogolewski Boulveard 4, OOO RSBNU

Afonin W.I. (Brjansk), Vanukevich A.S. (Moskau), Gudkevich I.I. (Sebastopol), Ermoljuk L.I. (Obninsk), Karaseva G.L. (St. Petersburg), Kusin E.P. (Karachev), Lisanevich L.F. (Nizhnij Novgorod), Dr.Mazharov V.F. (Krasnojarsk), Muratova L.S. (Rostov am Don), Njuppieva K. A. (Petrosavodsk), Podlesnaja N.G. (Smolensk), Prjadchenko B.G. (Moskau), Sazhina G.A. (Volgograd), Sinegribov L.K. (Ulan-Ude), Sinkevich M.E. (Moskau), Solnzeva N.N. (Rzhev), Khodyreva L.P. (Simferopol) und etwa 90 weitere Veteranen aus verschiedenen Orten Russlands.

Übersetzt von Valentin Wosnessenski

Karfreitagsveranstaltungen 2015

Gründonnerstag, 2. April 2015
Treffen von Delegierten aus Orten mit Kriegsendphasenverbrechen
15 Uhr im Rathaus Dortmund

Filmpräsentation und Gespräch mit Prof. Dr. Walter Manoschek, Wien
“Dann bin ich ja ein Mörder!”
19 Uhr in der Gedenkstätte Steinwache

In seinem 2012 erstmals gezeigten Dokumentarfilm „Dann bin ich ja ein Mörder“ setzt sich Walter Manoschek mit dem Massaker an jüdischen Zwangsarbeitern kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im österreichischen Deutsch Schützen auseinander. Kern des Films ist ein Interview mit dem ehemaligen Waffen-SS-Mann und Täter von Deutsch Schützen, Adolf Storms. Der mittlerweile in Duisburg lebende Storms war im Rahmen eines Seminars zu Kriegsendphasenverbrechen in Österreich zufällig ausfindig gemacht und 2008 von Manoschek befragt worden.

„Das ist eine große Kunst. Das ist bisher zu selten passiert, eben, wie gesagt, eine Darstellung ohne Eifer und ohne Zorn, von einem, der leidenschaftliche Teilnahme für die Opfer hat, ohne die Täter ahistorisch zu verteufeln und zu dämonisieren. Da versucht einer, der es weiß, trotzdem zu verstehen. Das ist sehr viel.“
(Elfriede Jelinek zu „Dann bin ich ja ein Mörder)

Prof. Dr. Walter Manoschek ist seit 2001 außerordentlicher Universitätsprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Wien. Von 2004 bis 2006 war er zudem Vorstand des Instituts für Staatswissenschaft dieser Universität. Er ist u.a. Mitherausgeber mehrerer Werke zu den Verbrechen der Wehrmacht und forschte zu den Opfern der NS-Militärjustiz.

Eine Veranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Gedenkstätte Steinwache – Internationales Rombergparkkomitee e.V. und der Auslandsgesellschaft Deutschland

 

Karfreitag, 3. April 2015
10.30 Uhr Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in Brackel

 

Karfreitag, 3. April 2015, in Lünen
Erinnerung an die aus Lünen stammenden ermordeten Antifaschisten
11 Uhr um Mahnmal im Südpark

 

Karfreitag, 3. April 2015
15 Uhr Gedenken am Mahnmal in der Bittermark
Es sprechen:
Ullrich Sierau, Oberbürgermeister
Jean Chaize vom Verband der französischen Arbeitsdeportierten
Jugendliche „Botschafter der Erinnerung“
Musik:
Kinderchor der Chorakademie Dortmund

 

Karsamstag, 4. April 2015
Gedenken in Lippstadt

 

70 Jahre danach – Aufruf zum Gedenken an die Opfer der Kriegsendphase

Treffen am 2. April im Dortmunder Rathaus und in der Gedenkstätte Steinwache

In Dortmund findet alljährlich in der Bittermark/Rombergpark eine  Gedenkkundgebung am Mahnmal, Nähe Tatort des Karfreitagsmassakers der Gestapo von 1945, statt. Der  Förderverein Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee trifft sich jedes Jahr  zum Gründonnerstag und Karfreitag, um Erinnerungsarbeit zu leisten; dies auch gemeinsam mit  den Hinterbliebenen aus jenen Ländern, aus denen die 300 Opfer kamen.

In diesem Jahr, zum 70. Jahrestag der Dortmunder Karfreitagsmorde, rufen wir wieder dazu auf, sich aus allen Orten mit Kriegsendphasenverbrechen nach Dortmund ins Rathaus zu einem Erinnerungstreffen zu begeben. Mit diesem Anliegen wenden wir uns  daher an die Erinnerungsarbeiter/innen all überall.

Kommen Sie am 2. April 2015 nach Dortmund.

U.a. wird Prof. Walter Manoschek, Wien, in der Gedenkstätte Steinwache einen Vortrag halten.

Wer sich für unser Treffen interessiert, wende sich an den Vorsitzenden des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache, Ernst Söder (Adresse im Impressum dieser Seite).

 

Zur Vorgeschichte

Das Reichssicherheitshauptamt schreibt am 24. Januar 1945:

An die Leiter der Staatspolizei(leit)stellen – Geheime Reichssache – persönlich

„Die gegenwärtige Gesamtlage wird Elemente unter den ausländischen  Arbeitern und auch ehemalige deutsche Kommunisten veranlassen, sich  umstürzlerisch zu betätigen. Größte Aufmerksamkeit ist daher geboten.  Dass der Feind Vorbereitungen getroffen hat, geht aus einer Meldung  des O.B.-West (Oberbefehlshaber der Wehrmacht-West) hervor. Es ist in allen sich zeigenden Fällen sofort und brutal zuzuschlagen. Die Betreffenden sind zu vernichten, ohne im formellen Weg vorher beim  RSHA Sonderbehandlung zu  beantragen. Die Leiter der Kriminalpolizeistellen sind persönlich von Ihnen entsprechend zu informieren.“

Mordbefehle wie dieser erreichten die Gestapostellen im gesamten Deutschen Reich im Januar 1945. Solche Befehle führten zum Massenmord  an unzähligen Gefangenen, an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und an wiederum inhaftierten politischen Widerständlern.

Der Dortmunder Polizeihistoriker Alexander Primavesi schrieb später  über  diese Befehle und ihre Wirkungen (in den „Ruhrnachrichten“ vom  31. März  1994): „Hochmotiviert durch das Schreiben brachten die  Gestapo-Beamten in den Wochen vor Ostern immer mehr Menschen in die Zellen der Steinwache und des Gestapo-Kellers in der Benninghofer Straße. Zwangsarbeiter aus dem gesamten Bereich des Regierungsbezirkes Arnsberg, Holländer, Belgier, Franzosen, Polen, Jugoslawen und Russen, verschleppten die Gestapo-Beamten in ein Lager im Bereich der Hütten-Union in Dortmund-Hörde. Von jeder  Verantwortung gegenüber einer höheren Stelle entbunden, folterten die Beamten hemmungslos, um weitere ‚umstürzlerische Elemente‘ aufzuspüren.“ Primavesi: „Es war der wahnwitzige Vorsatz, niemanden aus den Reihen der politischen Gegner am Leben zu lassen, damit sie nach dem Zusammenbruch nicht führende Positionen besetzen konnten, der die Gestapo zu dieser letzten Abrechnung bewegte.“

So wie im Ruhrkessel kam es zu unzähligen Verbrechen der Kriegsendphase in ganz Deutschland und Österreich. Oftmals waren es nicht nur von der Gestapo  ausgeführte Massaker, sondern auch Mordaktionen, an denen sich einfache NSDAP-Parteimitglieder, Hitlerjungen und Volkssturmmänner beteiligten.

Eine weitere abschließende Phase der Massenverbrechen begann, die sich bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 hinzog. Die Opferzahlen dieser Massenhinrichtungen, Menschenjagden, Todesmärsche und  Erschießungen von Deserteuren gehen in die Hunderttausende; bis zu 700.000 werden geschätzt. Diese letzten vier Monate des Krieges sind wenig erforscht.

Allerdings haben sich in vielen Orten  Geschichtsinitiativen gebildet, um die Verbrechen aufzuklären, deren  Urheber zumeist nicht bestraft wurden.

Es wird daran erinnert, was die Opfer bewegte, die eine Zeit des Friedens  und der Freiheit nicht mehr erleben durften. Es ist daran zu erinnern, was sie uns für das Heute zu sagen haben, da rechte Kräfte wieder aktiv werden und sogar ein Krieg auf europäischem Boden droht.

 

Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in der Dortmunder Bittermark

Donnerstag, 2. April 2015,

15 Uhr Rathaus der Stadt Dortmund

19 Uhr Steinwache
Professor Dr. Walter Manoschek spricht über den von ihm hergestellten Dokumentarfilm über den SS-Mann Adolf Storms „Dann bin ich ja ein Mörder“.

(Gemeinsame Veranstaltung des Stadtarchivs Dortmund und des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache-Internationales Rombergpark-Komitee)

Karfreitag, 3. April 2015
Kundgebung der Stadt Dortmund in der Bittermark
14.30 Uhr Kirchhörder Straße/Kreuzung Olpketalstraße
Beginn 15 Uhr