Für die Bewahrung der demokratischen Rechte und Freiheiten in Europa

Erklärung der Fédération Internationale des Résistants (FIR) – Association Antifasciste

Mit Sorge beobachtet die FIR, die Dachorganisation der Verbände ehemaliger Widerstandskämpfer, Partisanen, Deportierter, Opfer des Nazismus und Antifaschisten heutiger Generationen, Entwicklungen in verschiedenen europäischen Ländern, die die Grundlagen von Demokratie und Freiheit der Menschen gefährden. Wir nennen dabei unter anderem

• die Bedrohung der Meinungsfreiheit in Ungarn,

• die Einschränkung von sozialen Rechten und der Rechte der Arbeiter und ihrer Organisationen in Griechenland, Portugal oder Spanien,

• drakonische und rassistische Verurteilungen von Jugendlichen in Großbritannien, denen vorgeworfen wird, an sozialen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen zu sein,

• die Entwicklung einer fremdenfeindlichen Atmosphäre gegen Moslems und andere Minderheiten in den Niederlanden,

• die zeitweise Begrenzung der Reisefreiheit durch Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Dänemark,

• die massenhafte Bespitzelung antifaschistischer Menschen durch Telefonüberwachung und Vorratsdatenspeicherung in Deutschland,

• die Kriminalisierung der internationalen Solidaritätsbewegung durch die Verurteilung eines Antifaschisten in Dänemark,

• die Kriminalisierung und Verfolgung von Symbolen der kommunistischen und Arbeiterbewegung in Polen, Ungarn und Estland,

• die Versuche eines Verbots der legalen Kommunistischen Partei Böhmen und Mährens in der Tschechischen Republik, nachdem bereits zuvor die kommunistische Jugendorganisation illegalisiert wurde, und andere Maßnahmen.

Jede Maßnahme für sich stellt bereits eine Gefährdung der Freiheit in Europa dar. Die Summe dieser Einschränkungen und die damit verbundenen Angriffe gegen soziale und linken Bewegungen machen deutlich, dass hiermit Vorbereitungen getroffen werden, den Protest der Völker gegen die Abwälzung der Lasten der internationalen kapitalistischen Krise auf ihre Schultern zu illegalisieren. Ähnliche Maßnahmen wurden den Menschen in den 30er Jahren zugemutet und brachten den Faschismus nach Europa.

1945 formulierten die Nazigegner als Ziel die „Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“. Dieses Ziel einte während des Kampfes Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschafter, Christen, bürgerlich-liberale bis hin zu konservative Kräfte – also alle Antifaschisten.

In dieser politischen Breite verteidigen wir heute die Freiheiten und unsere demokratischen Rechte, für die sich die antifaschistischen Kräfte der Anti-Hitler-Koalition in ihrem heldenhaften Kampf eingesetzt haben. Damit bewahren wir das politische Vermächtnis des antifaschistischen Kampfes.

Oktober 2011

Buchvorstellung „Soldaten“

Sönke Neitzel 
Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

Vortrag am Donnerstag, dem 29. September 2011, um 19 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund

Sönke Neitzel und Harald Welzer legen in ihrem Buch auf einer einzigartigen Quellengrundlage erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. Auf der Grundlage von 150.000 Seiten Abhörprotokolle deutscher Soldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft wird das Wissen um die Mentalität der Soldaten auf eine völlig neue Basis gestellt. In eigens eingerichteten Lagern wurden Kriegsgefangene aller Waffengattungen und Ränge heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die Führung und auch auf die Judenvernichtung. Das Buch liefert eine Rekonstruktion der Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit – eine ungeheuer materialreiche Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten.

Prof. Dr. Sönke Neitzel, geboren 1968, lehrt Neuere und Neueste Geschichte in Mainz und Saarbrücken; Gastdozent und Lehrstuhlvertretungen an der University of Glasgow, in Karlsruhe und Bern, 2010 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Bekanntgeworden ist Neitzel mit „Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945“ (2005).

Eine Vortragsveranstaltung des Stadtarchivs in Zusammenarbeit mit dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

Trauer um Wladimir Gall

Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee trauert um seinen Freund und Kampfgefährten Wladimir Gall aus Moskau, der am 9. September 2011 92jährig gestorben ist.

Wladimir Gall war wiederholt in Dortmund, auch bei den Karfreitagsveranstaltungen, zu Gast. So zeigte er im Jahr 2008 den DEFA-Film „Ich war 19“, in dem seine mutige Tag zur Rettung hunderter Zivilisten 1945 aus der Spandauer Zitatelle dargestellt wird. Er erreichte, dass SS und Wehrmacht dort am 1. Mai 1945 kapitulierten und nicht länger Frauen, Kinder und Greise als Geiseln hielten. Der Kommunist Wladimir Gall war Lehrer an der Antifa-Schule in Krasnogorsk, Hochschullehrer und Kulturpolitiker.

Wladimir Gall (rechts) 2008 in der Gedenkstätte Steinwache mit Ullrich Sander und Gisa Marschefski vom IRPK

Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee trauert mit Galls Familie um einen großen und bescheidenen Menschen, der sei Leben dem Ringen für eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg widmete. Seine beispielhafte humanitäre Tat sollte unvergessen bleiben.

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Zum Gedenken

Wladimir Gall zum Gedenken

Nach einem Text von Dietrich Schulze

Berlin im Mai 1945. In der Zitadelle Spandau haben sich Wehrmacht- und SS-Einheiten mit deutscher Zivilbevölkerung verschanzt. Wladimir Gall, ein junger Oberstleutnant der Roten Armee, wird als Parlamentär beauftragt, die Besatzung der Spandauer Zitadelle zur Aufgabe zu bewegen. Die Festung ist eingeschlossen und muss aus militärstrategischen Gründen eingenommen werden.

Der Festungskommandant, ein älterer Wehrmachtoffizier, bescheidet die Parlamentäre, dass seine Offiziere die Kapitulation ablehnen. Der Auftrag wäre damit erledigt. Doch Wladimir, der die deutsche Sprache beherrscht, durchdrungen von der Sinnlosigkeit dieser verbrecherischen Entscheidung, die den sicheren Tod vieler deutscher Zivilisten zur Folge haben würde, trifft eine spontane Entscheidung: Er fragt, ob er direkt mit den Offizieren sprechen könne. Der Kommandant hebt vielsagend die Schultern und antwortet ihm: „Wenn Sie meinen.“ Will sagen: „Wenn Sie sich in die SS-Höhle begeben und darin umkommen wollen, ist das Ihre Entscheidung.“

Sie klettern auf der Strickleiter die Brüstung hoch. Wladimir spricht zu den jungen, kaltblütigen SS-Offizieren, die von einer Entsatzarmee faseln. Er klärt sie über die Propaganda und über die tatsächliche militärische Lage auf. Nicht als gefühlter Sieger, sondern von Militär zu Militär, sachlich und beherrscht über die Aussichtslosigkeit der Lage informierend und darüber, dass die Zivilisten geschont werden sollten. Mit starker innerer Anspannung, einer unbewussten Mischung aus humanistischem Pflichtgefühl und der Wahrnehmung der Gefahr.

Dann wird ihm eine Augenbinde angelegt und er wird abgeführt. Erst in diesem Augenblick, sagt mir Wladimir (Wolodja) in einem Gespräch nach einer Filmvorführung, sei ihm bewusst geworden, in welcher Lebensgefahr er schwebte. Über Geheimgänge wird er aus der Zitadelle heraus geführt. Doch sein beherzter Auftritt hat seine Wirkung nicht verfehlt: Am nächsten Tag kapitulierten die faschistischen Militärs, die deutsche Zivilisten als Geiseln verheizt hätten, so wie das anderenorts geschah, zum Beispiel bei Halbe.

Der Sowjetbürger Wladimir Gall rettete ihnen das Leben. Wie seine Mitstreiter in der Roten Armee hat er gegen die deutschen Faschisten, nicht gegen die Deutschen gekämpft. Deutsche Antifaschisten kämpften Schulter an Schulter mit den Soldaten der Alliierten, im „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD) auf der Seite der Sowjetunion und im „Nationalkomitee Freies Deutschland für den Westen“.

Die FIR tagte in Wien zum 60. Gründungstag – Ein antifaschistischer Verband mit langer Tradition und großen Zukunftsaufgaben

Vilmos Hanti aus Ungarn neuer FIR-Präsident / Rombergpark-Komiteemitglied Piet Schouten Vizepräsident / Ehrung für Celine van der Hoek de Vries / Tausend Jugendliche besuchen die Gedenkstätte Auschwitz

Über 130 Delegierte und Gäste aus 16 europäischen Ländern und Israel – der Älteste von ihnen war Spiros Kotoros, ein 99-jähriger griechischer Partisan – kamen Anfang Juli 2011 im „Alten Rathaus“ von Wien zusammen, um das 60. Gründungsjubiläum der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten zu begehen. Zuvor wurde eine außerordentliche Konferenz veranstaltet, um einen neuen Präsidenten zu wählen und eine neue große Aktion, die Fahrt von eintausend Jugendlichen Europas in die Gedenkstätte Auschwitz, vorzubereiten. Aus Dortmund haben Gisa Marschefski und Günter Bennhardt (Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee), Traute Sander (Landeskassiererin der VVN-BdA NRW) und Ulrich Sander (VVN-BdA-Bundessprecher) an der Konferenz teilgenommen.

In der Erklärung zum 60. Gründungsjubiläum der FIR heißt es: „Gemeinsam mit den Angehörigen heutiger Generationen handeln wir gegen Neofaschismus und extreme Rechte, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, Krieg und internationalen Terrorismus sowie deren gesellschaftliche Wurzeln. So schaffen wir eine ‚neue Welt des Friedens und der Freiheit!’“ Dies sei nur in enger Verbundenheit zwischen den antifaschistischen Verbänden in den verschiedenen Ländern und im Bündnis mit Kräften der Zivilgesellschaft möglich.

In deren Grußworten wurde sichtbar, welche Bedeutung die FIR hat: Mit dem belgischen „Institut des Vétérans“ organisiert die FIR internationale Jugendtreffen und Beiträge zur Erinnerungsarbeit. Der ehemalige ungarische Präsident Dr. Arpad Göncz erinnerte in einer verlesenen Grußbotschaft an die Bedeutung des Kampfes um Demokratie und Freiheitsrechte – eine Botschaft von großer Aktualität im heutigen Ungarn. Der Weltgewerkschaftsbund unterstrich die Gemeinsamkeit der Ideale von Antifaschisten und Arbeiterbewegung bei der Schaffung einer gerechten, sozialen und friedlichen Welt. Der russische Kriegsveteranenverband, die italienische Partisanenorganisation ANPI und das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos betonten die Internationalität des Antifaschismus.

Gegründet 1951 in der Zeit des Kalten Krieges, stellte die FIR die Einheit der ehemaligen Kämpfer und Teilnehmer der Anti-Hitler-Koalition gegen die Gefahr neuer Kriege, gegen den Nazismus, gegen den Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten in den verschiedenen europäischen Ländern ins Zentrum. Die Erinnerung an den antifaschistischen Kampf versteht die FIR nicht allein als Traditionsarbeit, sondern als historisches Vermächtnis, welches das politische Handeln für die Verwirklichung der gemeinsamen Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ begründet.

Dies wird in einer gedruckten Präsentation deutlich, die einen Überblick über das Handeln und zahlreiche Höhepunkte der vergangenen Jahrzehnte liefert. Auf Bildern sind Großaktionen gegen Neofaschisten und SS-Verbände, Konferenzen zu medizinischen oder historischen Themen, Friedensaktionen, das internationale Jugendtreffen in Buchenwald und Persönlichkeiten aus 60 Jahren FIR-Geschichte zu sehen. Natürlich fehlt nicht die Urkunde von 1987, mit der die Vereinten Nationen die FIR als „Botschafterin des Friedens“ würdigten.

Das jüngste Mitglied des Leitungsgremiums der FIR, der Portugiese David Pereira, übergab 20 Veteranen der antifaschistischen Bewegung die „Ehrenmedaille der FIR“. Auch Celine van der Hoek de Vries aus Amsterdam, Ehrenmitglied des Dortmunder Fördervereins Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee, erhielt die Ehrenmedaille. 

Zum Abschluss rief der neugewählte Präsident der FIR, der Ungar Vilmos Hanti, die Antifaschisten unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Überzeugung dazu auf, in Erinnerung an die Gemeinsamkeiten des Kampfes gegen die faschistische Bedrohung heute gemeinsam für Frieden, soziale Gerechtigkeit, gegen Diskriminierung und Rassismus, für Freiheit und Demokratie, also für Antifaschismus einzutreten. 

Bei der Wahl hatten die Delegierten zu entscheiden zwischen Vilmos Hanti, der 21 Stimmen bekam, und dem alten wie neuen Vizepräsidenten Christos Tzinzilonis, der 11 Stimmen erhielt. Hanti ist Präsident des ungarischen Verbandes der Widerstandskämpfer und Antifaschisten – demokratische Union (MEASZ). Wiederholt ist der Sozialdemokrat inzwischen von den in Ungarn autoritär herrschenden Kräften bedroht worden. Er folgt als Präsident dem verstorbenen Michel Vanderborght aus Belgien nach. Ilja Kraev aus Russland und Piet Schouten aus den Niederlanden (Mitglied des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee) wurden zu weiteren Vizepräsidenten gewählt. Erstmals in der Geschichte der FIR gehören alle Neugewählten der Nachkriegsgeneration an. 

22. Juni 2011: 70. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion

Internationale Vereinigung der Widerstandskämpfer FIR* würdigt die Leistung der Völker der Sowjetunion im Kampf gegen den Faschismus


Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Treptow

Am 22. Juni 1941 überfielen die Truppen Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten die Sowjetunion. Damit begann das letzte Kapitel der Aggression des deutschen Faschismus gegen alle europäischen Völker.

Doch dieser Krieg war nicht allein ein Eroberungskrieg um Raum und Ressourcen, es war von der Ideologie und Kriegsplanung ein Vernichtungskrieg gegen den „jüdisch-bolschewistischen“ Feind, in dem die Regeln der Haager Landkriegsordnung von Anfang an außer Kraft gesetzt waren.

Die Generalität der Deutschen Wehrmacht machte mit dem Kommissarbefehl und dem Generalplan Ost sowie dem Wirken der Einsatzgruppen deutlich, dass sie dieses Konzept des Vernichtungskriegs von Anfang an unterstützte. Dieser Vernichtungswille zeigte sich in zahlreichen Mordaktionen, die reguläre Wehrmachtseinheiten und Einsatzgruppen des SD (Sicherheitsdienst der SS) gegen jüdische und slawische Bevölkerungsgruppen in den okkupierten Gebieten verübten. Allein dem Massaker von Babi Jar fielen im September 1941 über 30.000 Menschen zum Opfer.

Trotz anfänglicher Verluste und einem notwendigen Rückzug gelang es der sowjetischen Armee im Laufe des Jahres 1941 immer besser, der Wehrmacht militärisch entgegenzutreten. Im Dezember 1941 brachte sie in der Schlacht vor Moskau den Vormarsch der deutschen Truppen endgültig zum Stehen. Die Illusion eines „Blitzsiegs“ war geplatzt.

In dieser Zeit vereinigten sich alle positiven Kräfte der Völker der Sowjetunion im gemeinsamen Kampf gegen die Aggression. Dazu gehörten
– die mutig kämpfenden Truppen der Roten Armee. Nach dem Überfall meldeten sich tausende Freiwillige für die Verteidigung der Heimat.
– die Heimatfront, die durch enorme Anstrengungen in der Rüstungsproduktion den Truppen die notwendige Ausrüstung bereit stellte.
– die Partisaneneinheiten, die im Rücken der vorgerückten deutschen Einheiten begannen, die Versorgungswege zu blockieren und durch eigene militärische Aktionen eine große Zahl von Einsatzkräften im Hinterland banden.
– die Bevölkerung der Stadt Leningrad, die seit dem Herbst 1941 eine Blockade von 900 Tagen aushielt, bevor es gelang, die faschistischen Aggressoren zu vertreiben.

Im Februar 1943 siegte die sowjetische Armee unter riesigen Opfern von Soldaten und Zivilisten in der Schlacht von Stalingrad. Diese Schlacht stellte einen historischen Wendepunkt in der Auseinandersetzung der Anti-Hitler-Koalition mit dem expansionistischen Anspruch des deutschen Faschismus dar und leitete die endgültige militärische Niederlage des Hitlerfaschismus und seiner Verbündeten ein.

In dieser Phase des Kampfes wurde die sowjetische Armee unterstützt von allen Kräften der Anti-Hitler-Koalition: von militärischen Verbänden der Länder, die noch vom deutschen Faschismus okkupiert waren, und auch von deutschen Antifaschisten, die als Frontbeauftragte des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ versuchten, auf die deutschen Soldaten Einfluss zu nehmen.

Dieser gemeinsame Kampf endete erst im Mai 1945 mit der vollständigen militärischen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Mit voller Berechtigung begehen daher die Völker Russlands und der anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion den 9. Mai als „Tag des Sieges“.

Die FIR grüßt alle ehemaligen sowjetischen Kriegsveteranen und die Veteranen des antifaschistischen Kampfes. Wir trauern um alle, die in diesem Kampf ihr Leben lassen mussten, und danken allen, die mit ihrem Handeln zum antifaschistischen Sieg beigetragen haben.

(*Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee ist Mitglied der FIR.)

Gelungene Erneuerung der Erinnerungsarbeit

Das Gedenken an die Opfer der Dortmunder Karfreitagsmorde von 1945 hat die Umstellung vom gemeinsamen Erinnern mit Zeitzeugen auf das Erinnern weitgehend ohne Zeitzeugen gut überstanden. Es bewährte sich, dass sich das Internationale Rombergparkkomitee mit dem Förderverein Gedenkstätte Steinwache zusammenschloss und nun gleichberechtigter Partner der Stadt Dortmund ist.

Und auch die Veränderungen bei der Großkundgebung am Karfreitag, dem 22. April: Die Worte aus Frankreich nun als schriftliche Grußbotschaft, die Rede des Vorsitzenden des vereinten Komitees, die wieder einmal stärkere Beteiligung an der Kundgebung und am Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf, der Jugendchor, die gemeinsam mit Gisa Marschefski vorbereiteten Worte der Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule vor allem auch zum Arbeiterwiderstand – dies alles waren hoffnungsvolle Signale für ein gelungenes Hinüberwachsen der Erinnerungsarbeit in eine Phase notwendiger Veränderungen.

Erste Vollsitzung des neuen Vereins

Auf der Grundlage einer neuen gemeinsamen Satzung kam der „Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergparkkomitee“ am Gründonnerstag, dem 21. April 2011, zu seiner ersten Vollsitzung zusammen, und zwar im traditionsreichen Versammlungsraum der Steinwache. Die Teilnehmer kamen aus dem Ruhrgebiet und aus den Niederlanden. Die Mitglieder aus Russland, Polen und Frankreich grüßten aus der Ferne und kündigten an, bei künftigen Vollsitzungen wieder dabei zu sein.

Gisa Marschefski (Ehrenvorsitzende), Norbert Schilff (stellvertretender Vorsitzender) und Ulrich Sander (Vorstandsmitglied) führten durch die Tagesordnung. Das Treffen wurde musikalisch eingeleitet durch den Dortmunder Musiker Reinhard Timmer, der ein Lamento, eine Hommage an die soeben mit dem Bundesverdienstkreuz geehrten Edelweißpiraten und ein traditionelles Liebeslied vortrug.

Eine lebhafte Diskussion entspann sich nach dem Referat von Dr. Ulrich Schneider aus Kassel (Generalsekretär der Föderation des Internationalen Widerstandes FIR) zum Thema „Geht Europa nach rechts?“. Eine Zusammenfassung des Referats findet sich hier.

In der Diskussion zum Referat wurde die Frage aufgeworfen, wie der antifaschistische Konsens von 1945 wiederhergestellt werden kann.
Thematisiert wurden:
– Die Notwendigkeit, die Rolle der Europäischen Volkspartei und darin die Rolle der CDU als führendes EVP-Mitglied bei der gefährlichen Rechtsentwicklung in Europa zu verdeutlichen.
– Das Phänomen, dass in Frankreich Kriege populär sind, in Deutschland aber die Regierung vor neuen Kriegsbeteiligungen immerhin zurückschreckt und auf die Bevölkerung Rücksicht nimmt.
– Die Bedeutung der großen Krise für die Rechtsentwicklung und damit die Gefahr erneuter Versuche von Krisenauswegen mittels scharfen Rechtskurses.
– Das Verhältnis des Sarrazinismus (oder besser -zynismus) zu den deutschen und europäischen Rechten und die Möglichkeit, dass sich eine Rechtsentwicklung in Deutschland weniger mittels NPD etc. Bahn bricht als durch die rechte Radikalisierung der Mitte.
– Die Funktion der Extremismus-Kampagne der Bundesregierung im Kontext der europäischen Entwicklung, um mittels Gleichsetzung von linken Antifaschisten mit Faschisten zu einer Geschichtsrevision und einem rechten Auftrieb zu gelangen.
– Die Rückkehr des Antiziganismus und anderer Formen des Rassismus im Zusammenhang mit der neuen Reisefreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union.

Im weiteren Verlauf der Aussprache wurde zur Entwicklung der fragwürdigen Rolle Dortmunds als neofaschistischer Brennpunkt Stellung genommen. Glücklicherweise gebe es in Dortmund eine breite Ablehnung gegenüber den Faschisten. Die Vorbereitungen zur Abwehr der Neofaschisten am 3. September 2011 wurden begrüßt.

Die Tatsache, dass mit der Karfreitagstradition sowohl in der Bittermark als auch mit den Gründonnerstagstreffen in der Steinwache die Zusammenarbeit der antifaschistischen Linken verschiedener Parteizugehörigkeiten manifestiert wurde, ist ein ermutigendes Zeichen. Norbert Schilff fasste es zusammen: „Dass Dortmund zum Zentrum der Nazis werden konnte, ist eine Schande für die Stadt. Aber hervorzuheben ist der Konsens des Antifaschismus, der seit dem Kalten Krieg besteht und durch diesen nicht zerstört werden konnte, der Konsens der Kräfte von der SPD bis weit links von der SPD. Ja, man kann fast von einer Volksbewegung gegen Rechts sprechen. Die Forderung der CDU nach Ausgrenzung der Linken im Antifaschismus wird nicht zum Zuge kommen.“

Weitere Kundgebungen in Huckarde, Lünen, Brackel und Lippstadt

Von der antifaschistischen Gemeinsamkeit waren dann auch die Kranzniederlegungen mit Kurzansprachen in Huckarde, Lünen, auf dem Internationalen Friedhof Brackel und in Lippstadt geprägt, und dann schließlich die große Kundgebung in der Bittermark mit dem neuen Vorsitzenden Ernst Söder als Redner und Bürgermeisterin Birgit Jörder als Rednerin der Stadt.