Frohes neues Jahr!

Wir wünschen unseren Mitgliedern und Freunden in allen Ländern ein frohes neues Jahr und für 2012 alles Gute!

Bonne année

С Новым годом

Gelukkig Nieuwjaar

Szczęśliwego nowego roku

Срећна нова година

Sretna nova godina

„Demokratie verwirklichen! Frieden schaffen!“ 30. Landeskonferenz antifaschistischer Organisationen am 28. Januar 2012 in Dortmund

„Aller Fortschritt ist das Ergebnis langer Kämpfe.
Wenn die junge Generation ohne Faschismus und Krieg leben will,
muss sie sich engagieren.“
(Lore Junge, Dortmund, 1923-2009) 


In einer wirklich demokratischen Gesellschaft setzen sich die Interessen der Mehrheit durch. Und zum Kernbestand jeder demokratischen Ordnung gehört der Schutz von Minderheiten.

Eine Gesellschaft, in der trotz gigantischer Wertschöpfung Löhne fallen, Renten sinken und soziale Leistungen gekürzt werden, ist keine gerechte demokratische Gesellschaft. Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben muss gestoppt werden!

Die fortschreitende Militarisierung und die Beteiligung Deutschlands an den weltweit geführten Kriegen muss beendet werden. Von deutschem Boden soll niemals wieder Krieg ausgehen!

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Die Neonazis wollen Menschen durch Terror einschüchtern und davon abhalten, sich für ihre Interessen einzusetzen.

Uns ist klar, dass der Neonazismus nur die sichtbare Spitze der Rechtsentwicklung in ganz Europa ist. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gewährenlassen der Neonazis durch staatliche Instanzen, der Justiz und dem täglichen Rassismus, der Abschiebepraxis und der Ausweitung der Kriegseinsätze.

Die Neonazis stehen einer demokratischen Gesellschaft im Weg. Neonazis und rechte Ideologien haben zur Lösung von gesellschaftlichen Krisen sowie zur Beendigung von kriegerischen Auseinandersetzungen nichts, aber auch gar nichts beizutragen, außer der Option, dass es auch noch schlimmer geht. Denn Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

So darf es nicht bleiben!
Der überwältigende Teil aller gesellschaftlichen Organisationen und Parteien und große Teile der Bevölkerung lehnen neonazistische Parteien und Organisationen ab. Zehntausende Menschen wenden sich aktiv gegen deren Auftreten. Trotzdem können Neonazis in Nordrhein-Westfalen weiter ihren Hass gegen politische Gegnerinnen und Gegner, gegen Menschen anderer Hautfarbe, Nationalität oder Religion auf die Straße tragen.

Woche für Woche behindert die Polizei massiv den Widerstand gegen die Neonazis und beruft sich dabei auf vorläufige höchstrichterliche Entscheidungen in Einzelfällen. Die Gegnerinnen und Gegner der Nazis werden kriminalisiert und Menschen, die sich gegen deren Aufmärsche oder Kandidaturen wenden, sollen außerhalb der Verfassung gestellt werden.

Auch die neue Mehrheit im Landtag Nordrhein-Westfalens hat daran bisher nichts geändert. So kann und darf es nicht bleiben!

Demokratie verwirklichen! Frieden schaffen!
Wir erheben unsere Stimme gegen Rassismus, Antisemitismus, Neofaschismus und Krieg auf der Grundlage des Schwurs der Häftlinge von Buchenwald:

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Es gibt keine Patentrezepte, wie der Boden des Nazismus ausgetrocknet werden kann. Jedoch versuchen wir, durch unsere tägliche Arbeit vor Ort den Einfluss der extrem rechten Ideen zurückzudrängen und deren Träger in ihrer Wirkung einzuschränken.

Mit unserer Tagung und den gewählten Schwerpunkten wollen wir Forderungen entwickeln, Erfahrungen austauschen und die Basis gemeinsamen Handelns verbreitern.

Der Förderverein Steinwache / IRPK unterstützt die Konferenz.

„Auslieferung auf Verlangen“ – Lesung in der Steinwache

Donnerstag, 8. Dezember 2011, 19 Uhr, Steinwache

Claus Dieter Clausnitzer liest aus „Varian Fry: Auslieferung auf Verlangen“ 

Varian Fry, Organisator des Hilfskomitees in Marseille, berichtet in seinem 1945 erschienenen Erinnerungsbuch „Auslieferung auf Verlangen“ spannend und ganz nah an den Ereignissen von seiner legalen und illegalen Arbeit und den Fluchthilfeaktionen, die stets vor den Augen deutscher Spitzel, misstrauischer amerikanischer Konsulatsbeamter und französischer Vichy-Polizisten abgewickelt werden mussten. Er schildert den Aufbau der Organisation und die Rettung der Emigranten, schreibt über die Zusammenarbeit mit prominenten Helfern wie André Gide, mit den Kreisen der Unterwelt von Marseille, und erzählt vor allem von den von Hitler Verfolgten, von ihren Ängsten, ihrem entwürdigenden Anstehen vor den Polizeipräfekturen, ihrem Gefühl des Ausgeliefertseins, dem „staatlos im Nirgendwo“ (Walter Mehring). Claus Dieter Clausnitzer liest aus dem Erinnerungswerk die eindrücklichsten und packendsten Passagen.

Eine Veranstaltung des Stadtarchivs Dortmund

Claus Dieter Clausnitzer (geb. 1939) absolvierte sein Schauspielstudium an der Neuen Münchner Schauspielschule. Seine Engagements und Gastspiele führten ihn an viele Spielorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Theater Dortmund ehrte den Schauspieler im Jahr 2007 mit dem Titel Kammerschauspieler. Zudem ist Clausnitzer regelmäßig als Vater des Kommissars Thiel (Axel Prahl) im WDR-Tatort Münster zu sehen.

Trauer um Celine van der Hoek-de Vries aus Amsterdam

Der  Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee trauert um seine ehemalige Präsidentin und Ehrenmitglied des Fördervereins Celine van der Hoek-de Vries aus Amsterdam, die am 30. September 2011 im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Celine van der Hoek-de Vries wurde im Mai 1944 im Alter von 24 Jahren in Amsterdam von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Gegensatz zu ihren Familienangehörigen, die von den Faschisten ermordet worden sind, überlebte sie Zwangsarbeit, Unterernährung, Hunger und menschenunwürdige Unterbringung im Vernichtungslager Auschwitz; 1945 wurde sie aus einem Nebenlager in der CSR von sowjetischen Soldaten befreit.

Frau de Vries engagierte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für eine Welt, in der Auschwitz und die Bedingungen, die zu Auschwitz führten, nie wieder möglich werden dürfen. In unzähligen Städten und Schulen in den Niederlanden sowie in Deutschland erzählte sie von ihren Erfahrungen als Jüdin in Amsterdam, von den Verfolgungen und den Jahren, die sie im Konzentrationslager verbracht hat. Beim Auschwitz-Prozess im Jahre 1965 in Frankfurt sagte sie als Zeugin aus, obwohl man versucht hatte, sie daran zu hindern.

Als Zeitzeugin war sie aktiv im Internationalen Rombergpark-Komitee tätig, war mehrfach in Dortmund und hat auch als Vertreterin des Komitees an einem Karfreitag in der Dortmunder Bittermark gesprochen.

Der Förderverein wird seiner Freundin Celine ein ehrendes Gedenken bewahren.

Für die Bewahrung der demokratischen Rechte und Freiheiten in Europa

Erklärung der Fédération Internationale des Résistants (FIR) – Association Antifasciste

Mit Sorge beobachtet die FIR, die Dachorganisation der Verbände ehemaliger Widerstandskämpfer, Partisanen, Deportierter, Opfer des Nazismus und Antifaschisten heutiger Generationen, Entwicklungen in verschiedenen europäischen Ländern, die die Grundlagen von Demokratie und Freiheit der Menschen gefährden. Wir nennen dabei unter anderem

• die Bedrohung der Meinungsfreiheit in Ungarn,

• die Einschränkung von sozialen Rechten und der Rechte der Arbeiter und ihrer Organisationen in Griechenland, Portugal oder Spanien,

• drakonische und rassistische Verurteilungen von Jugendlichen in Großbritannien, denen vorgeworfen wird, an sozialen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen zu sein,

• die Entwicklung einer fremdenfeindlichen Atmosphäre gegen Moslems und andere Minderheiten in den Niederlanden,

• die zeitweise Begrenzung der Reisefreiheit durch Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Dänemark,

• die massenhafte Bespitzelung antifaschistischer Menschen durch Telefonüberwachung und Vorratsdatenspeicherung in Deutschland,

• die Kriminalisierung der internationalen Solidaritätsbewegung durch die Verurteilung eines Antifaschisten in Dänemark,

• die Kriminalisierung und Verfolgung von Symbolen der kommunistischen und Arbeiterbewegung in Polen, Ungarn und Estland,

• die Versuche eines Verbots der legalen Kommunistischen Partei Böhmen und Mährens in der Tschechischen Republik, nachdem bereits zuvor die kommunistische Jugendorganisation illegalisiert wurde, und andere Maßnahmen.

Jede Maßnahme für sich stellt bereits eine Gefährdung der Freiheit in Europa dar. Die Summe dieser Einschränkungen und die damit verbundenen Angriffe gegen soziale und linken Bewegungen machen deutlich, dass hiermit Vorbereitungen getroffen werden, den Protest der Völker gegen die Abwälzung der Lasten der internationalen kapitalistischen Krise auf ihre Schultern zu illegalisieren. Ähnliche Maßnahmen wurden den Menschen in den 30er Jahren zugemutet und brachten den Faschismus nach Europa.

1945 formulierten die Nazigegner als Ziel die „Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“. Dieses Ziel einte während des Kampfes Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschafter, Christen, bürgerlich-liberale bis hin zu konservative Kräfte – also alle Antifaschisten.

In dieser politischen Breite verteidigen wir heute die Freiheiten und unsere demokratischen Rechte, für die sich die antifaschistischen Kräfte der Anti-Hitler-Koalition in ihrem heldenhaften Kampf eingesetzt haben. Damit bewahren wir das politische Vermächtnis des antifaschistischen Kampfes.

Oktober 2011

Buchvorstellung „Soldaten“

Sönke Neitzel 
Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

Vortrag am Donnerstag, dem 29. September 2011, um 19 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund

Sönke Neitzel und Harald Welzer legen in ihrem Buch auf einer einzigartigen Quellengrundlage erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. Auf der Grundlage von 150.000 Seiten Abhörprotokolle deutscher Soldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft wird das Wissen um die Mentalität der Soldaten auf eine völlig neue Basis gestellt. In eigens eingerichteten Lagern wurden Kriegsgefangene aller Waffengattungen und Ränge heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die Führung und auch auf die Judenvernichtung. Das Buch liefert eine Rekonstruktion der Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit – eine ungeheuer materialreiche Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten.

Prof. Dr. Sönke Neitzel, geboren 1968, lehrt Neuere und Neueste Geschichte in Mainz und Saarbrücken; Gastdozent und Lehrstuhlvertretungen an der University of Glasgow, in Karlsruhe und Bern, 2010 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Bekanntgeworden ist Neitzel mit „Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945“ (2005).

Eine Vortragsveranstaltung des Stadtarchivs in Zusammenarbeit mit dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

Trauer um Wladimir Gall

Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee trauert um seinen Freund und Kampfgefährten Wladimir Gall aus Moskau, der am 9. September 2011 92jährig gestorben ist.

Wladimir Gall war wiederholt in Dortmund, auch bei den Karfreitagsveranstaltungen, zu Gast. So zeigte er im Jahr 2008 den DEFA-Film „Ich war 19“, in dem seine mutige Tag zur Rettung hunderter Zivilisten 1945 aus der Spandauer Zitatelle dargestellt wird. Er erreichte, dass SS und Wehrmacht dort am 1. Mai 1945 kapitulierten und nicht länger Frauen, Kinder und Greise als Geiseln hielten. Der Kommunist Wladimir Gall war Lehrer an der Antifa-Schule in Krasnogorsk, Hochschullehrer und Kulturpolitiker.

Wladimir Gall (rechts) 2008 in der Gedenkstätte Steinwache mit Ullrich Sander und Gisa Marschefski vom IRPK

Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee trauert mit Galls Familie um einen großen und bescheidenen Menschen, der sei Leben dem Ringen für eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg widmete. Seine beispielhafte humanitäre Tat sollte unvergessen bleiben.

Mehr auf Wikipedia

Zum Gedenken

Wladimir Gall zum Gedenken

Nach einem Text von Dietrich Schulze

Berlin im Mai 1945. In der Zitadelle Spandau haben sich Wehrmacht- und SS-Einheiten mit deutscher Zivilbevölkerung verschanzt. Wladimir Gall, ein junger Oberstleutnant der Roten Armee, wird als Parlamentär beauftragt, die Besatzung der Spandauer Zitadelle zur Aufgabe zu bewegen. Die Festung ist eingeschlossen und muss aus militärstrategischen Gründen eingenommen werden.

Der Festungskommandant, ein älterer Wehrmachtoffizier, bescheidet die Parlamentäre, dass seine Offiziere die Kapitulation ablehnen. Der Auftrag wäre damit erledigt. Doch Wladimir, der die deutsche Sprache beherrscht, durchdrungen von der Sinnlosigkeit dieser verbrecherischen Entscheidung, die den sicheren Tod vieler deutscher Zivilisten zur Folge haben würde, trifft eine spontane Entscheidung: Er fragt, ob er direkt mit den Offizieren sprechen könne. Der Kommandant hebt vielsagend die Schultern und antwortet ihm: „Wenn Sie meinen.“ Will sagen: „Wenn Sie sich in die SS-Höhle begeben und darin umkommen wollen, ist das Ihre Entscheidung.“

Sie klettern auf der Strickleiter die Brüstung hoch. Wladimir spricht zu den jungen, kaltblütigen SS-Offizieren, die von einer Entsatzarmee faseln. Er klärt sie über die Propaganda und über die tatsächliche militärische Lage auf. Nicht als gefühlter Sieger, sondern von Militär zu Militär, sachlich und beherrscht über die Aussichtslosigkeit der Lage informierend und darüber, dass die Zivilisten geschont werden sollten. Mit starker innerer Anspannung, einer unbewussten Mischung aus humanistischem Pflichtgefühl und der Wahrnehmung der Gefahr.

Dann wird ihm eine Augenbinde angelegt und er wird abgeführt. Erst in diesem Augenblick, sagt mir Wladimir (Wolodja) in einem Gespräch nach einer Filmvorführung, sei ihm bewusst geworden, in welcher Lebensgefahr er schwebte. Über Geheimgänge wird er aus der Zitadelle heraus geführt. Doch sein beherzter Auftritt hat seine Wirkung nicht verfehlt: Am nächsten Tag kapitulierten die faschistischen Militärs, die deutsche Zivilisten als Geiseln verheizt hätten, so wie das anderenorts geschah, zum Beispiel bei Halbe.

Der Sowjetbürger Wladimir Gall rettete ihnen das Leben. Wie seine Mitstreiter in der Roten Armee hat er gegen die deutschen Faschisten, nicht gegen die Deutschen gekämpft. Deutsche Antifaschisten kämpften Schulter an Schulter mit den Soldaten der Alliierten, im „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD) auf der Seite der Sowjetunion und im „Nationalkomitee Freies Deutschland für den Westen“.